BU quo vadis: Wo kommen wir her, wo gehen wir hin?

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Zuletzt fiel sie vor allem durch negative Schlagzeilen auf. Stichwörter: Beitragserhöhungen, BaFin, Beschwerde. Aber eigentlich ist sie einer der wichtigsten Begleiter für jeden Menschen, dem seine Sicherheit und die seiner Familie am Herzen liegt. Die Rede ist von der Berufsunfähigkeitsversicherung.

Alles verändert sich…

Die Arbeitswelt in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Fabriken und Bergwerke wichen Großraumbüros. Statt Schraubenschlüssel und Spitzhacke bestreiten die modernen Arbeiter mit Maus und Keyboard ihren Arbeitsalltag. Der Wandel von einer klassischen, analogen Industrienation zu einer dynamischen, digitalen Dienstleistungsgesellschaft hat zwangsläufig auch die Versicherungswelt verändert.

…zum Guten?

Zunächst waren hier positive Effekte zu beobachten: weniger körperlich belastende Jobs hatten einen Rückgang von Verschleißerkrankungen zur Folge. Das bedeutete zehntausende Fälle von Erwerbsminderungsrenten weniger im Verlauf von etwa 20 Jahren. Doch dieser Rückgang war nicht alleine auf die sich verändernde Tätigkeit der arbeitenden deutschen Bevölkerung zurückzuführen. Eine Gesetzesreform im Jahr 2001 hatte daran ebenfalls einen nicht unwesentlichen Anteil.

Quelle: Statistisches Bundesamt

Quelle: Statistisches Bundesamt (zum Vergrößern klicken)

…oder doch zum Schlechten?

Denn durch die Gesetzesreform war es plötzlich nur noch ausschlaggebend, wie leistungsfähig der Versicherte ist. Die volle Rente bekommt nur, wer höchstens noch drei Stunden täglich arbeiten kann. Die Qualifikation oder vorherige Tätigkeit spielt keine Rolle mehr. Diese Änderung der Bemessung der Erwerbsminderungsrenten-Ansprüche ließ viele Menschen leer ausgehen. So bekam die private Absicherung der Berufsunfähigkeit auf einmal eine völlig neue Bedeutung. Insbesondere für alle nach 1961 Geborenen. Wer vorher geboren wurde, hat Glück: hier wird der erlernte beziehungsweise vorherige Beruf miteinbezogen.

Neue Welten mit neuen Risiken

Die fortschreitende Digitalisierung der Arbeitswelt hat nicht nur Vorteile. Es fand und findet zunehmend auch eine Verschiebung in den Erkrankungsfällen statt. Psychische Erkrankungen nehmen zu. Seit 2006 stieg die Zahl der durchschnittlichen Fehltage durch psychische Erkrankungen um 86 Prozent, wie die TK mitteilte. Mittlerweile gehen die Hälfte aller krankheitsbedingten Fehltage auf ihre Kappe. Die verschwimmende Grenze zwischen Privatsphäre und Arbeit erhöhte die mentale Belastung für die Menschen.

Smartphones, Tablets, Smart Devices ermöglichen permanente Erreichbarkeit. Nur eben die eine E-Mail lesen, da einen Termin absprechen oder ein kurzer Video-Call. Die Arbeitszeit und die Freizeit sind immer schwerer voneinander zu trennen. Zeitdruck und neue gesellschaftliche Stressoren aus dem Umfeld der sozialen Medien belasten die Seele. Auch Medizin-Nobelpreisträger Thomas Südhof warnt vor den Risiken:

„Wir sind nie mehr unerreichbar, nie außer Dienst. Per Mail stehen wir quasi minütlich im Kontakt zu unserer Arbeit. Das kann auf Dauer nicht gut sein.“ Thomas Südhof, Hirnforscher an der Universität Stanford

Ursachen einer Berufsunfähigkeit

Ursachen einer Berufsunfähigkeit

Gleichzeitig stellen Trends wie projektbezogene Anstellungen oder die Entwicklung hin zu befristeten Stellen eine zusätzliche Herausforderung dar. Das hat auch zur Folge, dass psychische Erkrankungen für mehr und mehr Berufsunfähigkeitsfälle verantwortlich sind. Laut GDV beträgt der Anteil mittlerweile 30 Prozent. Kaum verwunderlich: Im Jahr 2012 machten psychische Erkrankungen über 40 Prozent der neu anerkannten Erwerbsminderungsfälle aus. Der Anstieg psychischer Krankheiten hat noch eine andere Ursache: die Akzeptanz. Verbesserte Diagnosen, ein langsam zurückgehendes Stigma und eine offenere Gesellschaft tragen zu einer Steigerung der Fallzahlen bei.

Einfache Lösungen für komplexe Probleme?

Die Entwicklungen am Arbeitsmarkts, die neuen Risiken sowie die gesetzlichen Änderungen stellen ganz neue Anforderungen an Makler, Versicherer und Produkte. Eine gute Beratung verlangt viel Feingefühl, außerdem hervorragende Kenntnisse über den Kunden und seine Lebenssituation. Genau deshalb ist die BU „kein Aktionsprodukt“. Mit Werbeaktionen wie „BU ohne Gesundheitsfragen“, oder Lockangeboten mit niedrigen Einstiegsprämien wird man dieser komplexen Thematik nicht gerecht. Auch die mediale Aufbereitung der BU ist häufig problematisch. Schlagzeilen wie “So unsicher sind Berufs­unfähigkeits­versicherungen” (SPIEGEL), “Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt nicht” (FOCUS ONLINE), “Wenn sich die BU-Police massiv verteuert” (n-tv) sind immer wieder zu lesen. Auch ein Tatort im vergangenen Jahr schlug genau in diese Kerbe. Wie wäre es stattdessen mit Schlagzeilen wie “BU-Leistungen der Versicherer steigen”, “Kaum negative Gutachten für BU-Anerkennung” oder “Versicherer leisten in 77 Prozent aller Fälle”?

Die Extra Meile gehen

Die richtige BU zu finden ist anspruchsvoll, zeitaufwendig und manchmal auch unangenehm. Aber es lohnt sich für alle Beteiligten. Gestiegener Komplexität mit vereinfachten Ansätzen zu begegnen, kann keine Lösung sein. Umso wichtiger bleibt die Expertise der Makler, die nicht als Verkäufer, sondern viel mehr als Risikomanager für ihre Kunden agieren. Dabei will die Bayerische ihre Partner unterstützen. Als Versicherer mit 160 Jahren Erfahrung, davon alleine 100 Jahre im Bereich der Einkommensabsicherung, sind wir erfahrene Spezialisten auf diesem Gebiet. Und schon deshalb wird die BU auch ein zentrales Thema unserer Kommunikation in diesem Jahr – und natürlich auf unserem Zukunftskongress.

Titelbild: ©sorapolujjin / fotolia.com

Zum Autor:

Hier bloggt die News-Redaktion der Bayerischen zu allgemeinen und speziellen Themen rund um Versicherung, Finanzen und Vorsorge aber auch in eigener Sache. Wir wünschen eine spannende und frohe Lektüre!

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