#Zukunftskongress 2.0: Amazon, Altersvorsorge, Antworten?

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Morgens halb zehn in Berlin. „Wer von Ihnen nutzt Amazon?“ fragt Vorstandsmitglied der Bayerischen Martin Gräfer die über 100 anwesenden Makler und Branchenprofis im Kongresssaal des Van der Valk Hotels. Eine deutliche Mehrzahl hebt die Hand. Nächste Frage: „Wer von Ihnen hat Angst, dass Amazon in Zukunft Ihr Geschäft behindern könnte?“

Wer hat Angst vor Amazon: Niemand?!

Bis auf einen Besucher des Zukunftskongress der Bayerischen, der deutliche Sorge über Amazons Ambitionen im Versicherungsmarkt äußert, bleiben die Reaktionen aus. Martin Gräfer pflichtet ihm bei: „Ich finde Sie haben alle Grund sich Gedanken zu machen. So wie Herr Bäte, der früher mit Turnschuhen und Privatjet unterwegs war. Denn der CEO der Allianz SE sagte jüngst: das Einzige, was ihm Angst macht, sind nicht Axa oder Generali. Es ist Amazon.

Erfolg ist ein großer Verführer

Was wäre also naheliegender, als sich damit zu beschäftigen, was der Versicherungsmarkt von Amazon lernen kann? Ein heißes Thema auf dem Zukunftskongress: Was macht Amazon so erfolgreich? Für Martin Gräfer ist das ganz klar: Es sei der unbedingte Fokus auf den Kunden, seine Bedürfnisse und seine Eigenschaften, die den Buchhändler zum gigantischen Konzern mutieren ließen. Denn Amazon habe eine einfache Wahrheit verstanden: „Eine der größten Hürden für Zukunftsfragen ist nicht mangelnder Erfolg. Sondern Erfolg, der einen dazu verführt zu glauben, alles bliebe so, wie es ist. Weil es jetzt gerade gut ist“, erklärt er vor den über 3.700 Zuschauern via Facebook live.

Live vom #Zukunftskongress der Bayerischen in Berlin

Posted by NewFinance on Dienstag, 27. Februar 2018

Nur neue Fragen bringen neue Antworten

Deshalb müsse auch die Versicherungsbranche umdenken. Produkte mit aller Macht in den Markt zu bringen, Fehler nicht einzusehen und seine Lehren nicht zu ziehen, könne für die Zukunft kein Weg mehr sein. Versicherung müsse komplett vom Kunden aus gedacht werden. Denn die Zukunftsfragen sind für Gräfer folgende: wie kann man Versicherungsprodukte variabel gestalten, wie kann man Bestandteile zu- oder abbuchen? Wie kann man Produkte an Lebensphasen anpassen? Welche Rolle wird Sprachsteuerung in Zukunft für die Branche spielen?

„Das ist nämlich die eigentliche Meisterleistung“

Er entlässt das Publikum mit folgenden Worten: „Es bleibt nichts, wie es ist. Und das war schon immer so! Die Frage, die wir uns als mittelständischer Versicherer stellen ist: Wie können wir von den Veränderungen partizipieren?“ Denn ein Verständnis der globalen Veränderungen sei elementar, um die Zukunft selbst erfolgreich mitzugestalten. In der Branche müsse man sich immer die Frage stellen: „Was ist wirklich angenehm für die Menschen, was erleichtert ihnen das Leben? Wie können wir komplexe Dinge vereinfacht darstellen und dem Kunden damit einen nachhaltigen Mehrwert bieten?“ Das sei nämlich die eigentliche Meisterleistung.

Altersvorsorge bleibt Dauerbrenner

Komplexe Dinge einfach zu erklären, an die Maxime knüpfte Prof. Michael Hauer ebenfalls auf dem Zukunftskongress 2.0 an. Sein Thema: Altersvorsorge. Der Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung gab interessante Einblicke in die Entwicklung der Altersstruktur der deutschen Bevölkerung. Und ihre Auswirkungen auf die persönliche finanzielle Situation der Deutschen. Zu viele schätzten Ihre Situation falsch ein. Und nehmen deshalb eine großes Risiko in kauf. Für das Gespräch mit dem Kunden gab Hauer den Vermittlern folgendes mit auf den weg: „Wenn ihr Kunde sagt: ‚90 Jahre, so alt werde ich doch nie!’ dann fragen Sie ihn doch folgendes: wer garantiert Ihnen das?“

Lohnt sich Altersvorsorge noch? Antworten von Prof. Michael Hauer auf dem #Zukunftskongress:

Posted by NewFinance on Dienstag, 27. Februar 2018

Armutsrisiko langes Leben

Was den Kunden nämlich im Alter erwarte, das sei die „Lebensstandardlücke“. Die gesetzliche Rente deckt nach 2025, abzüglich der Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherung, für Angestellte nur 40 Prozent des bisherigen Verdiensts ab. Dabei dürfe der Vermittler nicht die Besserverdiener aus den Augen verlieren. Denn bei denen sei eben diese Lücke durch ein gutes Einkommen im Arbeitsleben besonders hoch. Gerade in Anbetracht der gestiegenen Lebenserwartung.

Leibrenten sind unverzichtbar

Also was tun, um diese Lücke zu schließen? „Der Sockel sollte immer eine Leibrente sein. Diese sollte etwa 60 bis 70 Prozent des gewünschten Renteneinkommens ausmachen“, so Prof. Hauer. Gleichzeitig komme der Vorsorgende in der aktuellen Niedrigzinsphase nur durch staatliche Förderung und eine Beteiligung an den Kapitalmärkten auf Renditen, die ihm wirklich weiterhelfen. Dabei dienten längere Laufzeiten, ratierliches Sparen und Diversifizierung der Risiko-Minimierung. Das Fazit von Prof. Hauer lautete daher: „Uns geht es allen sehr gut und das soll auch so bleiben!” Daraus lässt sich durchaus auch ein Auftrag an die Makler lesen: Helft Euren Kunden dabei, glücklich zu bleiben.

Titelbild: ©die Bayerische

Impressionen vom Zukunftskongress 2.0 in Berlin

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Hier bloggt die News-Redaktion der Bayerischen zu allgemeinen und speziellen Themen rund um Versicherung, Finanzen und Vorsorge aber auch in eigener Sache. Wir wünschen eine spannende und frohe Lektüre!

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