Map-Report 2011 und die BU: von Äpfeln und Birnen

  • Risiko Berufsgruppen

Was haben ein Physiker und ein Arzt gemeinsam? Oder ein Gerüstbauer und ein Dachdecker? Richtig: Einen Berufsabschluss. Erstere haben studiert, Letztere eine Ausbildung absolviert. Und was verbindet sie noch? Ein gemeinsames Risiko: im Laufe der Karriere ihren Beruf nicht mehr ausüben zu können. Wie hoch jedoch dieses Risiko im Vergleich genau sein mag, dafür gibt es bisher nur mittelbare, teils auch problematische Rückschlüsse.

Problematische Zahlenlage

Wer nach verlässlichen Kennzahlen sucht, die das Risiko unterschiedlicher Berufsgruppen in Bezug auf Berufsunfähigkeit beschreiben, forscht zunächst vergebens. Zumindest einen Anhalt, welche Berufe hier wie einzuschätzen wären, liefert indes der Map-Report Nr. 781-783 aus dem Jahr 2011. Er untersuchte auf Basis von Zahlen der Bundesagentur für Arbeit und der Deutschen Rentenversicherung aus den Jahren 2007 bis 2009 folgendes: Wie viele Personen übten damals einen bestimmten Beruf aus, und wie viele Personen der gleichen Berufe im gleichen Zeitraum bezogen eine Erwerbsminderungsrente?

Auch wenn die Untersuchung keinen direkten Aufschluss über das Berufsunfähigkeitsrisiko zulässt und sie zudem all jene Berufe ausspart, die nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, wie etwa Beamte, Ärzte, Juristen oder andere Freischaffende, so wird sie doch in Literatur und Presse immer wieder als möglicherweise korrelativ mit der Risikoaffinität bestimmter Berufsgruppen genannt.

Erwerbsminderung & Risikokorrelation: Ist das noch zeitgemäß?

Aus heutiger Perspektive geben diese Zahlen allenfalls Trends der Vergangenheit wieder, die sich inzwischen nachweislich anders darstellen. In vielen hier als risikoarm vermuteten Berufen nehmen in den jüngsten Jahren gerade die Berufsunfähigkeitsfälle signifikant zu, so zum Beispiel die psychisch bedingten Fälle etwa bei Akademikern oder verschiedenen Bürotätigkeiten. Aus dem Map-Report auf ein tatsächliches Risiko verschiedener Berufe für Berufsunfähigkeit schließen zu wollen, sollte also mit größter Vorsicht genossen werden.

Berufe in Deutschland mit dem höchsten EU-Risiko

Quelle: Map-Report

Berufe in Deutschland mit dem geringsten EU-Risiko

Quelle: Map-Report

 

Titelbild: ©K.-U. Häßler / fotolia.com

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2 Kommentare

  1. Gerd Kemnitz 22. März 2018 um 15:11 Uhr - Antworten

    Die Idee zum Aufbau eines BU-Kompetenz-Centers finde ich gut und wichtig.

    Aber wenn wir beispielsweise das Risiko unterschiedlicher Berufsgruppen in Bezug auf Berufsunfähigkeit untersuchen wollen, können wir uns doch nicht auf Zahlen zur gesetzlichen Erwerbsminderungsrente aus 2011 stützen. Wo bleibt da die Kompetenz?

    Die Bayerische kalkuliert sowohl in der Berufsunfähigkeits- als auch in der Erwerbsunfähigkeitsversicherung Beiträge für die verschiedensten Berufe. Ich bin mir sicher, dass diesen Kalkulationen sehr detaillierte Statistiken zugrunde liegen.

    Nun braucht man ja nicht die gesamte Kalkulationsgrundlage offenlegen. Aber wenn man bei Vermittlern wirklich Kompetenz aufbauen will, könnte man durchaus mal aufzeigen, wie hoch das Risiko ausgewählter Berufsgruppen einerseits in Bezug auf Berufsunfähigkeit (z.B. im Sinne der Tarife „Smart“ und „Komfort“) und andererseits in Bezug Erwewrbsunfähigkeit (im Sinne des EU-Tarifs) wirklich ist.

    • die Bayerische 22. März 2018 um 17:11 Uhr - Antworten

      Lieben Dank Herr Kemnitz für die Anregung, wir besprechen das mit der Fachabteilung. Was den Map Report betrifft, ist das ja genau der kritische Tenor unseres Beitrags, eben weil diese Zahlen immer wieder in den Medien mit Risikoklassifizierung in der BU-Beratung verwoben wird. Liebe Grüße aus München 🙂

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