Digitalisierung und Darwinismus: Nur wer sich anpasst, überlebt

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Heutzutage freuen sich Archäologen über jedes noch so kleine Fragment früherer Schriftsysteme, das sie finden können. Zum Beispiel über die 2010 in Jerusalem gefundene Scherbe, die eine königliche Nachricht aus der Bronzezeit trägt. Klassische Archäologen wird es in 3400 Jahren vermutlich nicht mehr geben. Aber trotzdem hinterlassen wir eine Menge Informationen. Das Internet wird bis 2020 laut Marktbeobachtern 40 Zettabytes lagern. Daten, mit denen Big Player wie Google und Facebook ihr Geld verdienen. Big Data verändert die Lebensweise von Millionen.

Branche bis 2030 weitgehend digital?

Hinzu kommt die Weiterentwicklung von künstlicher Intelligenz. Eine Studie von der Unternehmensberatung McKinsey prognostiziert bis zum Jahr 2030 eine weitgehende Digitalisierung der Versicherungs- und Finanzbranche. Das Unternehmen stellt eine Zukunft in Aussicht, in der die Schadenwahrscheinlichkeit von Versicherten in Echtzeit von künstlicher Intelligenz bearbeitet und gemessen wird.

Die Aufsicht muss mithalten

Im Zuge der laufenden Digitalisierung mischt sich nun auch die BaFin in den Diskurs um Big Data und künstliche Intelligenz ein. Gemeinsam mit der Unternehmensberatung Boston Consulting Group und dem Fraunhofer-Institut für intelligente Analyse- und Informationssysteme hat die BaFin sowohl Big Data als auch künstliche Intelligenz eingehend untersucht. Die Studie „Big Data (BD) trifft auf Künstliche Intelligenz (AI)“ geht auf die technologischen Entwicklungen bei der Datenverarbeitung sowie deren Auswirkungen auf die Finanzstabilität, Markt- und Unternehmensaufsicht und den Verbraucherschutz ein. Dem Report zufolge sei es besonders wichtig, dass die Aufsicht nicht den Anschluss an die sich stetig wandelnden Prozesse und Funktionen der Technologie verliert.

“Der Innovationswettlauf um Finanzdaten hat längst begonnen. Und schon jetzt wird sichtbar, dass sich außerhalb des regulatorischen Rahmens systemische Abhängigkeiten von BDAI-Unternehmen ergeben können, also Marktteilnehmern, die sich auf die Nutzung von Big Data und Künstlicher Intelligenz spezialisiert haben.” – Felix Hufeld, Präsident der BaFin

Big Data als Chance

Die gewaltigen Datenmengen und künstliche Intelligenz bedeuten für alle Beteiligten neue Möglichkeiten. Der Wandel ist unausweichlich, die digitale Vernetzung nimmt zu, immer komplexere Aufgaben werden von immer besserer Technologie gelöst. Neue erfolgreiche Konzepte verbreiten sich rasend schnell. Analytik und die immer massenhafter vorhandenen Daten, die überall in unserem Alltag gesammelt werden, lassen Innovation zu.

Like a glove!

BDAI ist laut der BaFin-Studie vor allem im Vertrieb hilfreich. Traditionelle Schadendaten könnten mit externen Kundendaten ergänzt und ausgewertet werden. BDAI ermöglicht auf diese Weise zum Beispiel eine präzisere Akquise und Cross-Selling. Besonders betroffen ist dem Report zufolge die Sparte der Kompositversicherungen, die individuell gestaltete Produkte hervorbringen könnte. Diese wären dann exakt auf die Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten. Ferner ist es möglich – und vereinzelt auch schon Praxis – dass neue Dienstleister für Versicherungen in den Markt eintreten und damit gezielt die Kundenschnittstelle für sich beanspruchen. Bigtechs und Insurtechs sind bereits darin versiert, ihre Dienstleistungen und Ansprachen stärker zu personalisieren, um den veränderten Erwartungen der Kunden entgegen zu kommen.

Digitaldarwinismus

Diese Lücke könnten Vermittler schließen, um den Konkurrenzkampf zu gewinnen. Dr. Georg Bräuchle, Präsident des BDVM, sieht Kundenorientierung und Anpassung als Zauberformel für einen erfolgreichen Wechsel der Makler in das digitale Zeitalter an. Beim diesjährigen Maklersymposium in München betonte er, dass der Makler der Zukunft nicht nur die Aktivitäten seiner Mittbewerber und die Bedürfnisse seiner Kunden im Auge behalten müsse, sondern auch die neuesten digitalen Trends. Frei nach Charles Darwin: Nicht der Stärkste gewinnt, sondern der Anpassungsfähigste. Eine YouGov-Studie unterstützt seine These. Denn sie stellt fest, dass 88 Prozent der über 30-Jährigen Befragten lieber persönlich beraten werden wollen.

„Die Ergebnisse zeigen deutlich, wie wichtig es ist, dass wir uns aufsichtlich und regulatorisch mit diesen Themen befassen“, erklärte Felix Hufeld in einer Pressemitteilung.

Evolution

Außerdem ermöglicht der Einsatz von BDAI-Technologie die Weiterentwicklung von Kernprozessen wie der Produktentwicklung und der Schadenregulierung. Laut dem Report der BaFin werden diese Prozesse effizienter und effektiver. Wearables und Telematik könnten dabei helfen, eine differenziertere Risikoeinschätzung und Preisgestaltung vorzunehmen. Gleichzeitig dürfen die Persönlichkeitsrechte der Kunden nicht leiden. Das Verbrauchervertrauen gilt als zentraler Erfolgsfaktor.

Titelbild: © Bernd Roselieb / BaFin

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