Der unsichtbare Score: Wie die Schufa an unsere Daten kommt

Von | 2018-08-10T18:41:19+00:00 10. August 2018|Tags: , , , , , , , , , |
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Ein argloser Gang zum Autoverleih wird zur Odyssee. Obwohl Sonja Hisserich einfach nur ein Auto bei einem ihr bekannten Autohändler mieten wollte, sperrte sich plötzlich die Bank gegen ihr Vorhaben. Der Grund: Ein negativer Schufa-Eintrag. Ein Schock, denn Sonja Hisserich ist sich nicht bewusst, wie dieser Eintrag zustande kam. Der Wunsch nach mehr Transparenz stieß in Hisserichs Fall auf taube Ohren. Sie schaltete einen Anwalt ein und wollte die Preisgabe der Schufa-Formel bewirken. Der Richter entschied gegen sie, woraufhin Hisserich in Berufung ging.

Doch wie funktionieren Schufa und andere Auskunfteien eigentlich? Und wie wirkt sich ein negativer Score aus?

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Das Wichtigste vorweg: Eine Auskunftei sammelt Verbraucherdaten und teilt diese dann mit verschiedenen Vertragspartnern. Aus den Daten berechnet sie einen Score-Wert, der die Kreditwürdigkeit und Zahlungsfähigkeit des betroffenen Verbrauchers festlegt.

Bloß nicht ins Minus

Der Score verschlechtert sich, wenn einer Auskunftei Daten zu einem negativen Kredit- und Zahlungsverhalten vorliegen. Mahnungen, Inkassoverfahren, Insolvenzen und Haftverordnungen sind nur ein paar Beispiele. Diese werden einer Auskunftei von verschiedenen Unternehmen zugespielt. Das Bundesdatenschutzgesetz erlaubt die Weitergabe bestimmter Daten, solange dafür besondere Voraussetzungen gelten. Normalerweise wenden sich die Gläubiger aber erst nach mehreren Mahnungen an die Auskunftei, um den Zahlungsverzug zu melden.
Mit den folgenden Maßnahmen kann der Score wieder drehen:

  • Alle Beiträge und Rechnungen sollten rechtzeitig bezahlt werden
  • Falsche Mahnungen oder Inkassobescheide aufklären und sicherstellen, dass die Auskunfteien das registrieren
  • Keine überflüssigen Girokonten und Kreditkarten gebrauchen
  • Keine unnötigen Kredite beantragen, das gefährdet den Score
  • Beim Online-Shopping die Schufa-Klausel im Auge behalten

Was holt die Schufa vom Makler?

Für den Makler ist ein negativer Score gravierend, immerhin wird erwartet, dass er Existenzen begleitet und sicherstellt, dass seine Kunden keine falschen Entscheidungen treffen. Nicht nur seine Kreditwürdigkeit, auch seine Glaubhaftigkeit steht auf dem Spiel. Da ein Versicherer sich bei der Anbindung immer eine Auskunft über den Vermittler einholt, ist es unabdingbar, immer genau über den eigenen Punktestand informiert zu sein. Außerdem beeinflusst der Schufa-Score den Abschluss von Krediten, das Leasing von Autos und zum Beispiel auch die Bezahlung auf Rechnung im Internet.

Wie sieht mein Score aus?

Jede Auskunftei ist per Gesetz dazu verpflichtet, dem Kunden auf Wunsch mitzuteilen, welche seiner Daten sie bereits speichert. Die Bundesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit stellt dafür auf ihrer Homepage ein spezielles Schreiben zur Verfügung. Einmal im Jahr ist diese Auskunft kostenlos, sollte daher auf jeden Fall in Anspruch genommen werden. Das ist vor allem wegen der Fehlerquote der Auskunfteien wichtig. Es kann nämlich auch passieren, dass eine Auskunftei bestimmte Namen vertauscht. Fehlerhafte Schufa-Daten sind mit unter die häufigsten Gründe für Beschwerden gegen die Auskunftei.

Welche Auskunfteien gibt es?

  • Schufa Holding AG
    Die Schufa Holding AG sammelt nicht nur negative, sondern auch positive Informationen. Insgesamt vereint die Schufa 9.500 Vertragspartner hinter sich und kann auf die Daten von 67,5 Millionen Personen zurückgreifen. Zudem ist sie auch in der Telekommunikationsbranche vernetzt.
  • CRIFBÜRGEL GmbH
    Das Unternehmen ist eine Fusion aus der Deltavista GmbH und den Bürgel Wirtschaftsinformationen. CRIFBÜRGEL hat Daten von mehr als 4 Millionen deutschen Unternehmen angesammelt. Diese stammen aus eigenen Recherchezentren und anderen Datenquellen wie zum Beispiel Handels-, Gewerbe- und Melderegistern.
  • Infoscore Data GmbH
    Sie extrahiert Daten aus den Veröffentlichungen von Insolvenzverfahren. Dabei beschränkt sich die Infoscore Data GmbH auf Daten aus vertragswidrigem Zahlungsverhalten. Vertragspartner sind Versicherungen, Internet-Shops und Banken.
  • CEG Creditreform Consumer GmbH
    Eine zweite Auskunftei, die auch positive Merkmale sammelt. Sie bietet Inkasso-, Beratungs- und Marketingdienstleistungen an. 100 Millionen Datensätze für mehr als 45 Millionen Menschen befinden sich im Katalog der CEG Creditreform.
  • Creditreform Boniversum GmbH
    Die GmbH ist ein Teil der Creditreform-Gruppe. Boniversum wertet Daten aus Schuldnerlisten, gerichtlichen Haftanordnungen und Inkassoverzeichnissen aus. Dabei beschränkt sich die Crefo nicht nur auf Privatpersonen, sondern sammelt auch Daten zu Firmen und Unternehmen.

Auskunft ist alles

Abschließend sei gesagt, dass alle Einträge bei Auskunfteien nur befristet vorliegen. Abbezahlte Kredite löscht die Schufa zum Beispiel drei Jahre nach ihrer Tilgung automatisch. Fällige Zahlungen bleiben maximal vier Jahre lang erhalten. Sofern der Betrag früher bezahlt wird, verschwinden die Zahlen bereits nach höchstens drei Jahren. Die klügste Handlungsweise ist es, regelmäßig die eigene Bewertung bei den Auskunfteien abzufragen. Sollte ein fehlerhafter Eintrag vorliegen, kann die sofortige Löschung beantragt werden.

Titelbild: © olezzo / Fotolia.com

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