Hubertus Heil nimmt Kurs auf eine neue Altersvorsorge

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Seit einigen Jahren herrscht eine immer wieder aufflammende Diskussion darüber, ob die Altersvorsorge für Selbstständige verpflichtend sein soll.

Bereits 2012 zog die damalige Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) Unmut auf sich, weil sie teure Berater engagierte, um diese Thematik zu überprüfen. 2017 forderte Andrea Nahles (SPD), damals Sozialministerin, ebenfalls eine verpflichtende Altersvorsorge für Selbstständige. Im neuesten Anlauf könnte die Vorsorgepflicht Realität werden. Und zwar schon im kommenden Jahr.

Auf ein Neues!

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hat nun im neuesten Anlauf vor, Selbstständige dazu zu verpflichten, privat oder über die gesetzliche Rentenversicherung für das Alter vorzusorgen. Die Vorsorgeform muss dabei jedoch pfändungssicher sein. Gegenüber der Rheinischen Post gibt er an, dass er im Laufe des Jahres einen Gesetzesentwurf zur Einbeziehung der Selbstständigen in das System der Alterssicherung vorlegen will. In Kraft treten soll das neue Gesetz bereits 2020. Die verpflichtende Altersvorsorge wird alle Personen betreffen, die nicht obligatorisch rentenversichert sind.

Heil schlägt zu diesem Zweck insgesamt drei verschiedene Vorsorgearten vor:

  • Ein berufsständisches Versorgungswerk (wie es etwa für Ärzte und Anwälte bereits Praxis ist)
  • Die Rürup-Rente
  • Die gesetzliche Rentenversicherung

Was sagt der Koalitionsvertrag dazu?

Mit dem neuesten Anlauf zur verpflichtenden Altersvorsorge für Selbstständige folgt Heil dem im Koalitionsvertrag festgehaltenen Plan, eine „gründerfreundlich ausgestaltete Altersvorsorgepflicht“ zu etablieren (Koalitionsvertrag der 19. Legislaturperiode, Seite 93). Wichtig dabei: Die Vorsorgeform muss eine Rente oberhalb des Grundsicherungsniveaus ermöglichen. Aktuell liegt diese bei durchschnittlich 800 Euro im Monat. Das erklärte Ziel ist es, die Altersarmut in der betroffenen Zielgruppe zu senken.

Und was bedeutet das für Vermittler?

Für Makler würde sich durch die neue Gesetzeslage eine neue Zielgruppe eröffnen. Einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH (ZWE) im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) zufolge gibt es derzeit knapp vier Millionen Selbstständige in ganz Deutschland. Von diesen sind zwischen 1.020.712 Personen und 1.264.541 Personen obligatorisch versichert. Hierbei ergibt sich die erste Zahl aus Zahlen der Deutschen Rentenversicherung, öffentlich zugängliche Statistiken der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) sowie Daten der Allgemeinen berufsständischen Versorger. Die zweite wiederum errechnet das Bundesministerium für Arbeit und Soziales aus Zahlen der Deutschen Rentenversicherung, des SVLFG und Statistiken der Bundeskammern für freie verkammerte Berufe. Drei Viertel der Selbstständigen sind demnach nicht pflichtversichert – insgesamt also rund drei Millionen Menschen. Im Jahr 2013 waren 57 aller Selbstständigen nicht obligatorisch versichert. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geht deshalb davon aus, dass die Zielgruppe der pflichtversicherten Selbstständigen weiter wachsen wird.

Gerade diese Zielgruppe benötigt eine professionelle Beratung, um sich für eine passende Altersvorsorge zu entscheiden. Hier kommt der Makler ins Spiel: Wenn er sich rechtzeitig vorbereitet und korrekt positioniert, kann er einen neuen Kundenkreis erschließen.

Titelbild: © Jenny Sturm / Fotolia.com

Zum Autor:

Hat Kunstgeschichte und Literatur studiert. Schreibt gerne. So gerne, dass er sich sowohl in der NewFinance-Redaktion als auch in der Freizeit damit beschäftigt. Und sollte er mal nicht schreiben, interessiert er sich für E-Sport, Wirtschaft und dafür, wer gerade an der Börse abrutscht.

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