Die Corona-Krise machte deutschlandweit alle Schüler zu „Lehrerkindern“. Welche Herausforderungen, aber auch lustige Situationen für Kinder und Eltern entstehen, wenn Kita, Homeschooling und Homeoffice aufeinandertreffen, berichten zwei Väter aus der Bayerischen: Alexander Müller-Benz, Leiter Personal, Nachhaltigkeit und interner Service und Maximilian Buddecke, Leiter Partner- und Kooperationsvertriebe.

Tradition trifft auf Tatsachen

Laut Deutschem Gesetz sind Eltern verpflichtet, ihre Kinder im schulfähigen Alter in eine Regelschule zu schicken sowie für deren regelmäßige Anwesenheit zu sorgen. Zu Ausnahmeregelungen, die einen sogenannten „Hausunterricht“ zuließen, kam es selten. Bedingungen waren beispielsweise eine dauerhafte Erkrankung des Kindes, fortlaufend rehabilitierende Maßnahmen während der Unterrichtszeit oder eine Schwangerschaft von Minderjährigen. Die Regelung zur Schulpflicht besteht bereits seit dem Jahr 1919. Und gehörte unantastbar zu den wesentlichen Bestandteilen einer demokratischen Gesellschafts- und Bildungsverfassung. Die Corona-Krise änderte das schlagartig. Schülerinnen und Schüler nahmen von zu Hause aus am Fernunterricht teil.

Inzwischen findet der Präsenzunterricht an wenigen Tagen statt. Eine Rückkehr in den Fernunterricht ist derzeit noch möglich. Zeitgleich müssen sich auch Eltern mit dem Arbeiten aus den eigenen vier Wänden arrangieren. Eine Umstellung für beide Seiten. So auch für die Familien Buddecke und Müller-Benz. Beide Familienväter haben jeweils eine siebenjährige Tochter sowie einen dreijährigen Sohn.

Organisation ist (nicht) alles

Zu Beginn der Pandemie im März war lediglich ein Drittel der deutschen Schulen gut auf den Lockdown vorbereitet. Der EU-Bildungsbericht der Europäischen Kommission aus dem Januar 2021 zeigt zudem, das gerade einmal 35 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer während des Lockdowns in regelmäßigem Austausch mit den Kindern standen. Zehn Prozent pflegten sehr wenig oder gar keinen Kontakt. Das Homeschooling blieb demnach größtenteils den Eltern überlassen. Gerade bei Erstklässlern eine Herausforderung, wie Maximilian Buddecke erkannte:

„Homeschooling – vor allem in Kombination mit der eigenen Arbeit – ist eine große Herausforderung. Meine Tochter ist Erstklässlerin. Da geht es um Grundlagen. Man wird in eine Welt geschubst, die man als Eltern noch gar nicht begreift.“

Eltern müssen sich hier selbst an das Verständnis der Kinder gewöhnen, um Wissen entsprechend vermitteln zu können. „Sich von Mama und Papa etwas beibringen zu lassen, ist in diesem Alter ja auch uncool“, gesteht der Leiter Partner- und Kooperationsvertriebe. Dagegen sei das Homeoffice mit Kind leicht zu bewältigen.

Er würde sich wünschen, dass es sich um perfekt durchstrukturierte Abläufe handelt. In der Realität käme es aber vor allem auf Flexibilität an.

„Wenn die Kinder zu Hause sind, ist es selbstverständlich auch nach ihnen zu sehen und sie zu beschäftigen. Und natürlich kommen sie auch ins Zimmer.“

Selbst das Privileg eines eigenen Büros hindere die Kinder demnach nicht daran, auch mal in ein Meeting zu platzen. „Ich habe schon genügend Videokonferenzen mit Kind auf dem Schoß gemacht.“ Mit der Zeit kam allerdings der Punkt, an dem es nicht mehr störte. Es sorge inzwischen im Großen und Ganzen für Erheiterung. „Außer, man möchte sich genau dann konzentrieren.“

Alexander Müller-Benz und dessen Frau versuchen Termine so zu koordinieren, dass immer ein Elternteil die Kinder betreuen kann. Ein enormer Vorteil sei zudem, dass sich die Kinder oft miteinander beschäftigen. Denn auch wenn es nicht immer ganz leicht ist, müssen sich die Eltern bewusst Zeiten im Kalender blocken, die den Kindern gelten.

„Und wenn es gar nicht anders geht, dann muss auch mal eine Sendung wie Peppa Wutz oder Feuerwehrmann Sam helfen“, gesteht Müller-Benz.

Wichtiger Wert: Vereinbarkeit von Beruf und Familie

So herausfordernd die Zeit auch sein mag, Kinder im Homeoffice, das bestätigen beide Väter, sorgen auch immer wieder für Erheiterung im Arbeitsalltag. So hatte der Sohn von Alexander Müller-Benz mitten im wichtigen Meeting das Internet abgeschaltet. Im Hause Buddecke wissen die Kinder sich ebenfalls zu helfen. „Wenn die Kinder gerade nicht mit dem Hund spielen wollen, schicken sie ihn zu mir ins Büro.“ Das führte während eines internen Meetings mit dem Vorstand der Bayerischen und den beiden Geschäftsführern der Pangaea Life unlängst zu einer lustigen Situation: „Ich musste den Raum kurz verlassen und als ich wiederkam, waren drei erwachsene Männer damit beschäftigt, mit Gebell meinen Hund zu animieren. Der schaute verdutzt in die Webcam.“

Es ist zu erkennen: die Bayerische hat sich mit der Situation „Homeoffice x Homeschooling“ arrangiert. Und das nicht erst seit Corona. Wie Alexander Müller-Benz bestätigt, war die Vereinbarkeit von Beruf und Familie schon vor dem Lockdown ein wichtiger Wert der Bayerischen. Mit zahlreichen Angeboten für Mitarbeiter.

„Das Verständnis für Homeoffice mit Kindern war bereits Teil der Unternehmenskultur.“

Auch Maximilian Buddecke hat durchweg positive Erfahrungen im Umgang mit der Situation: „Man muss sich an alles gewöhnen. Vertriebspartner, die für Kinder im Homeoffice kein Verständnis hatten, habe ich zum Glück noch nie erlebt. Ich sehe stattdessen bei ganz vielen, dass Kindern während eines Meetings reinkommen.“

Wertschätzung und Akzeptanz steigen

Durch die aktuelle Situation wissen die Väter vor allem zu schätzen, wie wichtig die Betreuungsangebote sind. Gerade hinsichtlich ihrer Regelmäßigkeit, um Beruf und Familie vereinbart zu bekommen. Die auch einen normalen Büroalltag vor Ort ermöglichen.

Zudem sorgt das Homeoffice mit Kind für mehr Gelassenheit. Buddecke ist überzeugt: „Je entspannter man mit der Situation umgeht, umso schneller regelt sie sich.“ Wie beharrlich Kinder sein können, beweist er mit folgendem Beispiel: „Während eines Onlineseminars wollte der Sohn eines Referenten in den Raum. Dieser hatte die Tür extra abgeschlossen. Mit dem Ergebnis, dass der Sohn trommelnd an der Tür stand.“

Die Erkenntnis: eine abgeschlossene Tür ist für die Kleinen kein Hindernis.

Und doch haben die Einschränkungen gerade für Kinder im Schulalter oft dramatische Konsequenzen. Häufig fehlt Kindern die Struktur im Tagesablauf. Zudem hat der fehlende Austausch mit den Mitschülern gesundheitliche Folgen. Der tagesschau zufolge berichten Kinderärzte und Jugendtherapeuten bereits über eine massive Zunahme von Kindern, die verhaltensauffällig sind. In die Schule zu gehen, Freunde zu treffen und soziale Interaktionen zu pflegen. Das wünscht sich auch Maximilian Buddecke – nicht nur für seine eigenen Kinder. „Die Normalität der Schule ist etwas, das man unglaublich zu schätzen lernt. Wie alle hoffe ich daher, dass wir bald wieder in diese Richtung steuern.“ Dass Kinder in dieser Situation vereinsamen, dürfe auf keinen Fall passieren.

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