Der Fleischkonsum in Deutschland und Europa hat nach wie vor erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt. Studien des WWF zufolge seien annähernd 70 Prozent der direkten Treibhausemissionen der Ernährung auf tierische Produkte zurückzuführen. Wenn jeder Deutsche nur einmal wöchentlich auf Fleisch verzichten würde, können damit bereits eine Einsparung von rund neun Millionen Tonnen schädlicher Treibhausgas-Emissionen pro Jahr erreicht werden, so der WWF. Mit dem ökologischen Fußabdruck kann an einem Ort anfangen werden, den jeder von uns beeinflussen kann: auf dem Speiseteller.

Intensivtierhaltung: maximale Menge an Fleisch

Hinzu kommt die schon vielfach diskutierte Forderung nach mehr Tierwohl in Land- und Fleischwirtschaft. Mit der sogenannten Intensivtierhaltung, umgangssprachlich auch Massentierhaltung genannt, produziert die Landwirtschaft bei minimaler Platzanforderung eine maximale Menge an Fleisch. Bereits das führt zu Stress  bei den Tieren, denen ausreichende Bewegung, Ruhemöglichkeiten und ein Sozialverhalten fehlen. Damit die Tiere sich in Folge des Platzmangels nicht angreifen, stutzten Bauern bei Ferkeln beispielsweise die Ringelschwänze, kürzen ihnen Zähne oder schneiden bei Legehennen und Puten Schnabelspitzen, oder bei Rindern Hörner ab.

Zunehmende Nachfrage nach Soja zerstört Lebensräume

Den größten Flächenanteil brauchen nicht die Tiere selbst. Die Futterhaltung benötigt deutlich mehr. Rund 60 Prozent der Fläche wird für Futtermittel verwendet, 20 Prozent dagegen sind nur für den direkten menschlichen Verzehr bestimmt. Die Eiweißversorgung in Massentierhaltungen findet mit Importfuttermitteln statt, allen voran mit Soja aus Südamerika. Mit der Nachfrage nach Soja als Futtermittel für die Tiere, stiegen, so der WWF, auch die Anbauflächen. Im Umkehrschluss bedeutet das: Der Fleischkonsum hierzulande beansprucht zusätzliche Flächen außerhalb Europas. Dadurch sind Millionen Hektar Lebensräume gefährdet oder bereits vernichtet, was zu einem drastischen Rückgang der Artenvielfalten in einigen Regionen geführt habe. Zudem benötige der Sojaanbau meist Unmengen an Pestiziden.

Umweltverschmutzung: Luft, Boden, Grundwasser

Die Grundwasser- und Bodenverunreinigungen sind mit rund 20 Prozent aller Treibhausgasemissionen wohl einer der Hauptverursacher der globalen Klimaerwärmung. Nitrat im Grundwasser, Ammoniak in der Luft und Antibiotika im Boden sind nur ein paar Beispiele dafür, welche Folgen Massentierhaltung haben kann. Dabei schadet laut dem Umweltbundesamt vor allem die Rinderhaltung dem Klima. Denn bei der Verdauung stoßen die Kühe große Mengen an Methan und anderen klimaschädlichen Gasen aus. Wenn zudem noch Gülle auf den Feldern landet, entsteht Lachgas. Methan und Lachgas sind deutlich schädlicher als Kohlendioxid. Methan ist 25 Mal so schädlich, Lachgas fast 300 Mal. 

Welternährung: Fleischkonsum benötigt Großteil der Ackerflächen

Rund 820 Millionen Menschen weltweit sind unterernährt. Auf der anderen Seite benötigt der hohe Fleischkonsum in der westlichen Welt rund n Deutschland sind es im Schnitt sogar über 60 Prozent. Das sind Flächen für Futtermittel und Weiden, die für die Ernährung der Weltbevölkerung fehlen. Das bedeutet: Wir könnten viel mehr Menschen mit Getreideerzeugnissen ernähren, würden wir diese nicht in aktuellem Maße an Tiere verfüttern, die wir essen.

Fleischverzicht: Was er für den Körper bedeuten kann

Im Durchschnitt liegt der pro-Kopf-Verbrauch an Fleisch laut dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft heute bei 59,5 kg/Kopf. Fleisch ist nicht per se gesundheitsschädlich, enthält es doch hochwertiges Protein, Vitamin-B, Eisen und Zink. Forscher wiesen jedoch nach, dass Vegetarier deutlich weniger an Bluthochdruck, Diabetes sowie Gallen- und Nierensteinen leiden. Zudem sinke laut Studien auch die Fettleibigkeit durch den Verzicht auf Fleisch, und die Darmflora verbessere sich. Fun Fact: Laut Forschern der Karls-Universität Prag riechen Vegetarier im Schnitt besser als Fleischesser, sogar der Schweißgeruch selbst wurde als angenehmer bewertet.

Bewussterer Umgang: Fleischkonsum geht zurück

Die gute Nachricht: Der Trend nach weniger Fleisch ist in Deutschland bereits seit den vergangenen Jahren erkennbar, wenn auch in kleinen Schritten. Auch weltweit ist der Fleischkonsum von 2018 auf 2019 zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten auf 335 Millionen Tonnen gesunken. Das sagte die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen in ihrem Bericht im November vergangenen Jahres voraus. 2013 ging die FAO noch davon aus, dass sich die Zahl bis zum Jahr 2050 auf ca. 500 Millionen Tonnen erhöhen wird. Die Debatte um den Fleischkonsum bleibt also weiterhin spannend. Abschließend ist zu sagen, dass nicht der komplette Verzicht im ersten Schritt für eine gesunde Lebensweise des Menschen und der Umwelt entscheidend ist, sondern der bewusste Konsum.

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