Nach rund 40 Jahren ohne Damenmannschaft brüllen beim TSV 1860 München wieder Löwinnen. Der Start des Spielbetriebs ist für die Saison 2021/22 geplant. Unterstützt werden die Damen schon jetzt durch das Sponsoring der Bayerischen. Für die Herrenmannschaft der 60er ist die Bayerische bereits seit 2016 Hauptsponsor. Nun freut sich der Versicherer auf die Zusammenarbeit mit den Frauen: „Bereits bei den ersten Gesprächen hat man gemerkt, wie viel Energie, Leidenschaft und Löwenherz bei den Frauen vorhanden ist“, sagt Martin Gräfer, Vorstand der Versicherungsgruppe die Bayerische. Doch wie kam es zur Mannschaftsgründung nach vier Jahrzehnten? Wir sprachen hierzu mit der Spartenleitung: Hannah Conrad, Vroni Seemann und Silke Dehling.

Redaktion: Warum hatte der TSV 1860 so lange keine Frauenmannschaft? Und wie kam es zu der Idee, erneut eine zu gründen?
Spartenleitung

von links: Hannah Conrad, Silke Dehling und Vroni Seemann.

Spartenleitung: Seit fast 40 Jahren gab es keinen Frauenfußball mehr bei den Löwen, dies hatte wohl verschiedene Gründe. 1982 hatte der Verein große finanzielle Probleme, der Lizenzentzug und somit der Zwangsabstieg der Männer brachte dann sein Übriges. Darunter zu leiden hatte auch die Frauenfußballmannschaft. Nach der Saison 1982/83 wurde der Frauenfußball bei den Löwen eingestellt.

Die Idee zum Frauenfußball bei den Löwen gab es schon länger, allerdings musste zuvor erst einiges organisiert werden.

Da scheiterte es in der Vergangenheit dann öfters an einzelnen Punkten. Jetzt hatten wir neben engagierten Personen auch einfach Glück, ein Trainingsplatz war schnell gefunden, und auch an motivierten Fußballerinnen, die alle für Ihren Herzensverein kicken wollten, fehlte es nicht.

Redaktion: 1971 mussten die Löwinnen selbst im eigenen Verein noch um Anerkennung kämpfen. Was hat sich seitdem in der Außenwahrnehmung des Frauenfußballs getan?

Spartenleitung: Der Frauenfußball wird weltweit immer populärer. Nachdem er jahrzehntelang verboten beziehungsweise nicht offiziell anerkannt wurde, nahm der DFB ihn erst 1970 in seine Satzung auf und hatte daher 2020 sein 50-jähriges Jubiläum. Auch unsere Nationalspielerinnen sind sehr erfolgreich. Schade, dass es im Gegensatz zu den Herren noch an Anerkennung fehlt. Im Verein selbst haben wir bisher nur positives Feedback erfahren. Für uns ist so eine Mannschaftsgründung natürlich neu, aber der Verein und insbesondere Roman Beer, der Fußball-Abteilungsleiter, stehen uns in allen Fragen zur Verfügung und unterstützen uns wo sie können.

Redaktion: Und warum ist Frauenfußball mindestens genauso gut wie in der Herrenliga?

Spartenleitung: Wir denken, Frauenfußball ist noch etwas ehrlicher als bei den Herren. Ein Foul ist ein Foul, aber dann heißt es bei uns eher, Mundabwischen, weitermachen. Die Männer sind da manchmal vielleicht etwas wehleidiger als wir Frauen.

Redaktion: Wo lagen die Herausforderungen, eine Mannschaft in Zeiten von Corona zu gründen?

Spartenleitung: Anfangs waren wir noch fest davon überzeugt, dass Corona uns in die Karten spielt. Durch die coronabedingte Absage der Saison 2020/21 hatten wir mehr Luft uns auf den erfolgreichen Saisonstart im Herbst 2021/22 vorzubereiten. Allerdings sind wir – wie viele andere – nun auch von dem Trainingsstopp/-verbot betroffen, was uns natürlich zurückwirft.

Wir halten alle unser Fitnesslevel auf hohem Niveau, aber gerade der Ballkontakt und auch der direkte soziale Umgang miteinander fehlen einfach.

Eine Herausforderung ist daher wortwörtlich „am Ball“ zu bleiben, und die Hoffnung und Motivation nicht zu verlieren, bald wieder als Mannschaft trainieren zu können. Allerdings lassen sich unser Trainer und unsere Co-Trainerin nicht unterkriegen. Die Beiden lassen sich allerhand einfallen, damit uns nicht langweilig wird. Das erste virtuelle Duell gegen eine andere Frauenmannschaft, das über 5 Wochen ging, konnten wir schon für uns entscheiden. Nun hoffen wir alle auf ein baldiges Rückspiel auf dem Fußballplatz.

Redaktion: Was sind die Stärken des Kaders? Und was die Ziele für die kommende Saison?

Spartenleitung: Eine Stärke ist definitiv, dass wir alle den Löwen im Herzen tragen und stolz sind, für den TSV 1860 München e.V. Fußball spielen zu können. Sonst haben wir ein breites Leistungsniveau, wir haben von Anfängerinnen bis zu erfahrenen Spielerinnen wirklich alle Klassen im Kader. Vor uns liegt noch viel Arbeit durch hartes Training, um hoffentlich im Herbst unsere ersten Ligaspiele in der A-Klasse bestreiten zu können. Das ist auch unser Ziel für die nächste Saison: Spaß am Fußball und gerne einige Siege. Und dann werden wir sehen, wie wir uns entwickeln und wo wir am Ende der Saison stehen.

Titelbild: © TSV 1860 München