Wird es in der Zukunft Grashüpfer statt Chicken-Wings oder Würmer-Burger statt Hackfleisch-Patties geben? Bereits im Juli haben wir die Folgen für Umwelt, Ethik und Gesundheit von erhöhtem Fleischkonsum vorgestellt. Nun haben wir haben mit zwei Experten gesprochen, die beide bereits mit Speise-Insekten arbeiten. Folke Dammann, Geschäftsführer des Snack-Insects, einem Handel von essbaren Insekten und Matthias Münz, welcher Eiskreationen mit Insekten kreiert. Wir berichten, mit was die essbaren Krabbeltiere punkten können und welche Gründe dafür sprechen, den anfänglichen Ekel zu überwinden.

Vitamin B, Protein-Quelle und Co.: Darum sind Insekten gesund

Vitamin B, Calcium, Omega-3-Fettsäuren, Zink und Eisen – Klingt nach Nährwerten eines Super-Foods, oder? Insekten sind nicht nur sehr gute Eiweißlieferanten, sie enthalten auch wertvolle Vitamine und Mineralstoffe. In allen essbaren Insektenarten kommen einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren vor. Vor allem für Sportler lohnt sich der ungewöhnliche Verzehr: Die Krabbeltiere haben ähnlich viel Protein wie das Fleisch von Rind, Schwein oder Pute, gefriergetrocknet sogar einen deutlich höheren Wert. Der Liebling der Insekten, der Mehlwurm, hat einen besonders hohen Proteinanteil von 18,7 Prozent. Gefriergetrocknet erreicht er einen Höchstwert von 50,9 Prozent. Rindfleisch hat zum Vergleich einen Wert von 22,3 Prozent. Nicht zuletzt deshalb sind die essbaren Insekten eine nachhaltige Proteinquelle.

Die nachhaltige Alternative: Den grünen Insektenabdruck hinterlassen

Speise-Insekten sind nicht nur nährstoffreich und liefern hochwertiges Eiweiß, sie verhelfen auch zu einem grüneren ökologischen Fußabdruck. Denn die Aufzucht der Insekten benötigt deutlich weniger Futter, Wasser und Fläche als herkömmliche Nutztierhaltung. Im Vergleich zur Schweine- und Rinderzucht verursachen sie außerdem weitaus weniger Treibhausgas-Emissionen. Gemäß der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO stammen sogar 14,5 Prozent aller weltweiten Treibhausgasemissionen aus der Haltung und Verarbeitung von Tieren. Schweinshaxe, Rumpsteak & Co. spielen dabei sogar eine größere Rolle als der weltweite Verkehr.

In Sachen Nachhaltigkeit sind Insekten noch einen Punkt voraus: Ihr essbarer Anteil mit 80 Prozent doppelt so hoch wie der eines Rindes.

„Die Weltbevölkerung wächst stetig und somit müssen Alternativen für eine künftige Proteinversorgung gefunden werden. Der vermehrte Verzehr von Insekten könnte sich hier positiv auswirken.“ Folke Dammann, Geschäftsführer Snack-Insects

Leicht nussig im Nachgeschmack: Wie schmecken Insekten wirklich?

Da es rund 2000 essbare Insektenarten gibt, ist ein einheitlicher Geschmack schwer zu bestimmen. Die beiden Insekten-Experten Folke Dammann (Snack-Insects) und Matthias Münz (Der verrückte Eismacher) sind sich aber einig: Der Grundgeschmack ist bei vielen Insektenarten leicht nussig. Der tatsächliche Geschmack hinge aber eher von den verwendeten Gewürzen ab, so Matthias Münz. Er verarbeitet die Krabbeltiere von Snack-Insects oft in verschiedenen Eiskreationen in seinem Laden, beim „Verrückten Eismacher“ in München. Mehlwürmer in Kombination mit Schokolade erinnern laut Münz an Cornflakes, weshalb er auch die Eiskombination „Stracciawurmella“ (siehe Bild), also Stracciatella Eis mit Mehlwürmern, kreierte. Auch Folke Dammann pflichtet bei, dass Mehlwürmer an Schoko-Crossies, frittierte und gewürzte Heuschrecken dagegen eher an knusprige Hühnchenhaut erinnern. So ergebe sich eine große Rezeptvielfalt und jedes normale Gericht könne so zu einem Insektengericht umgewandelt werden.

Eiskreation "Stracciawurmella" des "Verrückten Eismachers" aus München

Eiskreation “Stracciawurmella” des “Verrückten Eismachers” aus München

Zuerst Überwindung, dann Genuss? Entomophagie und mehr

„Es ist alles nur Kopfsache. Wenn man sich darauf einlässt, dann sind Insekten wirklich lecker! Mehlwürmer schmecken wie Cornflakes.“ – Matthias Münz

Der erste Gedanke daran, Insekten zu essen ist anfangs vielleicht noch etwas befremdlich und beim ein oder anderen mit Ekel verbunden. Doch weltweit dienen die Krabbeltierchen laut Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) bereits für über zwei Milliarden Menschen als Nahrungsquelle. Dabei ist vor allen in Asien, Afrika und Lateinamerika der Anteil sehr hoch. Entomophagie, was den Verzehr von Insekten bezeichnet, ist in Europa noch äußerst unüblich. Hierzulande werden Insekten mit Verderblichkeit und Krankheiten assoziiert. Kleine Krabbeltierchen oder kriechende Maden erinnern mehr an den feucht-nassen Kellerboden als an ein Gourmet-Teller. Dieser Ekel lässt sich anhand des Schutzreflexes vor Krankheiten erklären. Sei das Insekt aber erstmal zu Mehl und dann zu beispielsweise Insekten-Pasta verarbeitet worden, sinkt laut Dammann die Hemmschwelle, da das Insekt nicht mehr sichtbar ist. Auch der Geschmack sei dann nicht außergewöhnlich.

„Insekten gelten bei vielen hierzulande eher als Ungeziefer. Aber wir sind auf einem guten Weg das zu ändern. Das Thema ‘Insekten als Nahrungsmittel’ wird mittlerweile sehr oft in den Medien thematisiert, sodass viele Menschen durchaus neugierig geworden sind, Insekten zu probieren.“ Folke Dammann

 

Titelbild: © Titelbild: Folke Dammann, Beitragsbild: Matthias Münz