InsurTechs als Innovationstreiber der Versicherungsbranche bieten dem Makler entscheidende Vorteile: Die Nähe zum Kunden und eine automatisierte Verwaltung. Egal, ob dieser Dokumente als Online-Muster anbietet. Verschiedene Kanäle der Kommunikation eröffnet. Oder über Robo-Advice als Beratungsmöglichkeit einführt. Persönlichere Daten können gesammelt und zielgerichtetere Information bereitgestellt werden. Diese Daten können dabei helfen Produkte noch persönlicher und individueller zu gestalten. Resultat: Ein engeres Verhältnis, eine neue Stufe der Kommunikation zwischen Makler und Kunde und neue Möglichkeiten Beratungs- und Verwaltungsabläufe zu automatisieren.

Es musste wie der aufkeimende Rock ’n’ Roll der frühen 60iger-Jahre gewirkt haben. Die hippen und neuartigen InsurTechs, allesamt langhaarige Startups mit dem Drang zur kehlig-rauen Digitalisierung auf der einen und die eingesessenen und konservativen Versicherungen auf der anderen Seite. Dem schweren Blues verschriebenen. Ein Generationenkampf. Doch nach kurzer Schockstarre suchen beide den Dialog. Die Kooperation trägt im Gesundheitsbereich, im Peer-to-peer-Segment oder im Contract Management bereits Früchte. Auch in Zukunft?

Der erste Eindruck: Konkurrenz

So könnte der Schlussakkord der Studie “Global FinTech Survey 2017” von PricewaterhouseCoopers (PwC) lauten. Dabei wurden 189 Versicherungsberater aus 40 Ländern befragt. Resultat: Viele Versicherer waren verunsichert. 56 Prozent hält die eigenen Umsätze durch Insurtechs gefährdet. Jedes fünfte Unternehmen fürchtet, dass 20 bis 40 Prozent der Einnahmen weg brechen könnten. Ganze 52 Prozent behaupten, nur wegen des Drucks der neuen Startup-Kollegen die Beschäftigung mit Disruption in den Mittelpunkt der eigenen Strategie gestellt zu haben.

Täuscht der erste Eindruck?

Ja. Denn obwohl die „verfeindeten“ Parteien verschiedene Herangehensweisen benutzten, haben sie dasselbe Ziel: Zufriedene Kunden. InsurTechs, eine Wortschöpfung aus “insurence” und “technology”, verbinden digitale Neuheiten, wie Smart-Technologien, E-Services und soziale Kanäle mit Produkten aus der Versicherungswelt. Und das erfolgreich. Denn die Zahl der Abmachungen steigt.

InsurTechs sind gute Deals

Diesen Trend nachzuvollziehen helfen die Neuheiten, mit denen InsurTechs die Versicherungs- und Finanzbranche revolutionieren möchten:

Blockchain

Könnte die Versicherungsbranche revolutionieren. Denn die Technologie, die hinter der Internetwährung Bitcoin steckt, macht digitale Verträge und Transaktionen transparent, nachprüfbar und fälschungssicher. Denn mit dieser hat jeder Teilnehmer Einblick in alle gemachten Aktionen innerhalb einer solchen Kette. Daten- und Dokumentenfälschungen sind unmöglich. Große Versicherer initiierten das Pilotprojekt der Blockchain-Initiative B3i. Dieses soll einen besseren Einblick in die Anwendungsmöglichkeiten von Blockchain und ihrem Änderungspotenzial im Versicherungsmarkt geben. So sollen Retrozessionen über die Technik abbilden und verwalten lassen. Die Initiative zeigt, dass obwohl bereits große Schritte Richtung Digitalisierung gemacht wurden, die Versicherungsbranche immer noch den Anschluss sucht.

Internet of Things (IoT)

Informationen und Daten zu sammeln und die Gewohnheiten des Kunden zu kennen ist für jeden Versicherer wichtig. Mit dem Internet of Things (IoT) soll es zukünftig noch einfacher sein. Denn smarte Geräte, Sensoren und Gadgets sind weitgehend miteinander verbunden und kommunizieren Daten in Echtzeit. Diese Informationen geben Aufschluss darüber, was Kunden wollen. Auf Grundlage dessen kann ein InsurTech-Startup seine Angebote, da digital, schnell anpassen und optimieren.

Artificial Intelligence

IoT-Technologien sammeln unzählige Datenmassen in der Sekunde. Um diese Informationen angemessen auszuwerten bedarf es der Künstlichen Intelligenz. Eine KI (engl. AI) ist in der Lage große Datenmengen zu bearbeiten. Das spart Zeit und Geld. Auch automatisierte Prozesse lassen sich leichter etablieren, da die Datenauswertung kaum Arbeitszeit in Anspruch nimmt.

Maßgeschneiderte Absicherung

Die größeren Datenmengen sowie die technischen Möglichkeiten, diese auszuwerten, machen neue Versicherungsmodelle möglich. Denn der heutige Konsument verlangt nach einer personalisierbaren Lösung. Deswegen bieten einige Mobility-Versicherungen dieses Konzept (Telematik) bereits an: Autofahrer zahlen dabei nur die Versicherung für die gefahrenen Kilometer oder die Zeit, die sie tatsächlich hinter dem Lenkrad verbracht haben.

Engagement Innovation

Anders als die etablierten Versicherer, gehen die InsurTechs auch mit der Kundenkommunikation um. Die Entscheidung für oder gegen eine Versicherung wird zumeist im Alltag oder von einem speziellen Ereignis ausgehend getroffen. Genau hier setzten diese Startups ein. Neue Kanäle zur Kommunikation, sei es über WhatsApp-Push Nachrichten oder gezielte Facebook Gruppen. Informationen, Videos, Business-Modelle und Dienstleistungen werden omnipräsent angeboten.

Der Takt macht die Musik

Sowohl InsurTechs als auch die klassischen Versicherer spielen im Vier-Viertel-Takt. Die Zahl der Kooperationen steigt. Zum Vorteil beider.

Immerhin kooperieren mittlerweile ganze 45 Prozent mit den innovativen Startups. Vor einem Jahr waren es nur 28 Prozent. Ausgangspunkt: Versicherungsgesellschaften möchten näher am Kunden sein. Denn: Derzeit kommunizieren lediglich 16 Prozent mit ihren Klienten (mobil). 25 Prozent über die Website. Großer Pluspunkt der InsurTech: Durch Datenanalysen und ausgefeilter Modelle können Risiken besser identifiziert und beseitigt werden.

Außerdem lockt die Möglichkeit Verwaltungsprozesses zu automatisieren. Erhebliche Kosten lassen sich hierbei einsparen. Zu den IT-Schwerpunkten der Kooperation gehören Datenanalysen (84 Prozent) und Mobile-Technology wie App-Entwicklungen (58 Prozent). Artificial Intelligence (AI) und IT-Sicherheit sind für jeweils ein Drittel der Befragten (33 Prozent) ebenfalls zentrale Investitionsfelder. Am Ende klingen InsurTechs gemeinsam mit den Versicherungen wie Rockmusik. Für den Kunden. Das beste aus zwei Welten.

Wer die Bedürfnisse des Menschen erkennt und richtig handelt, der wird bald ein reicher Mann sein. Walter B. Walser

Bild: © Lili