Jugendliche interessieren sich nur fürs Feiern und haben von Finanzen keine Ahnung. Soweit die vorherrschende These. Einige Schulen reagieren darauf mit einem kreativen Konzept: Börsenspiel-Partys. Diese sollen Schülern mehr Finanzverständnis vermitteln. Doch wie sehen diese aus?

Kein Finanzverständnis bei jungen Menschen

Einer Umfrage unter 1.600 jungen Erwachsenen zwischen 16 und 25 Jahren zufolge steht es schlecht um die finanzielle Bildung der Zielgruppe. Beinahe jeder Fünfte würde sich selbst die Note mangelhaft oder ungenügend geben. Beim Thema Wirtschaft erreichen die Befragten einen Durchschnittswert der Schulnote 3,1. Um den Wert zu steigern, wünschen sich 43 Prozent der Befragten „Finanzen“ als Pflichtfach in der Schule.

Hier sollen auch Begrifflichkeiten des Finanzwesens erläutert werden. Denn: Neun von zehn der unter 25-Jährigen können die Begriffe Kreditkarte, Zinsen oder Girokonto noch gut erklären. Hinsichtlich Fonds, Rendite oder Liquidität sind jedoch schon rund 50 Prozent der über 20-Jährigen ahnungslos. Die größten Wissenslücken zeigten sich insbesondere bei den Haupt-und Volksschülern. Zudem schätzen sich die männlichen Studienteilnehmer mit einer Note von 2,9 besser ein als die weiblichen (Note 3,4). Und auch geografisch gibt es Unterschiede: Schüler aus dem Bundesland Baden-Württemberg halten sich mit der Note 2,8 für deutlich aufgeklärter, als Schüler aus dem Schlusslicht – Niedersachsen (Note 3,5).

Keine finanzielle Vorsorge

Die Unaufgeklärtheit in den 20ern resultiert in Unsicherheit bis in die frühen 30er-Jahre der jungen Erwachsenen. Laut aktueller Studie herrscht demnach bei 65 Prozent der heute 18- bis 32-Jährigen große Verunsicherung, was die spätere Altersvorsorge betrifft. Dennoch sorgen trotz Angst vor Altersarmut 43 Prozent nicht vor. Der Grund? Überforderung. Denn jeder zweite der Befragten gab an, auch hier – wie allgemein beim Thema Finanzen – ein Informationsdefizit zu haben. Weder seitens der Politik, noch durch die Medien finde für 73 Prozent der jungen Leute ausreichend Aufklärung statt. Und auch das Alter spielt eine Rolle. Während 32 Prozent Geldmangel als Ursache für die fehlende Vorsorge angeben, fühlen sich 20 Prozent zu jung, um sich mit dem Thema finanzielle Vorsorge auseinanderzusetzen.

Schulen packen Finanzen spielerisch an

Wie also werden Schüler firm hinsichtlich finanzieller Themen? Studenten der WHU – Otto Beisheim School of Management in Vallendar haben hierfür eine Finanzbildungsinitiative für Schüler ins Leben gerufen. Mit dem Börsenspiel „Tradity“ machen die Organisatoren die Finanzwelt spielerisch erlebbar. 2013 gründeten sie – damals noch zu viert – eine online Börsenspielplattform mit dem Ziel, Wirtschaftsunterricht positiv zu verändern.

Das Konzept ist dabei simpel: innerhalb von fünf Wochen handeln die Schüler – in mehrere Gruppen unterteilt – online Aktien mit fiktivem Kapital. Parallel lernen sie im Wirtschafts- und Politikunterricht Grundlagen und Anlagestrategien. Die Gewinner werden mit Preisen belohnt. Diese reichen von einem iPad bis zu einer Mittelmeerreise. Inzwischen hat das Projekt ein nationales Niveau: 4 Wettbewerbe, 41 Organisatoren und 13.000 teilnehmende Schüler. Unterstützt wird das Projekt unter anderem von prominenten Fürsprechern wie Christian Lindner. Wichtig sei dabei laut Mit-Organisatorin des Wettbewerbs, Yingjia Cai, vor allem einen zeitgemäßen Ansatz für die Thematik zu schaffen, mit dem sich später jeder der Schüler auch in der Realität konfrontiert sieht.

Titelbild: © Klaus Eppele/Stock.Adobe