Magdalena Neuner ist seit 2020 nun auch offiziell die Sportlegende des Jahrzehnts. Umso beeindruckender für eine Leistungssportlerin, die ihre Karriere nach drei olympischen und 17 WM-Medaillen im Alter von 25 beendete. Seither widmet sie sich anderen Projekten. Neben ihrer Familie ganz oben auf der Agenda: der Umweltschutz als Markenbotschafterin für Pangaea Life. Im Interview gibt sie einen Rückblick auf ihre Sportlerkarriere und zieht Parallelen zur Versicherungsbranche.

Redaktion: Frau Neuner, herzlichen Glückwunsch zum Titel Sportlegende des Jahrzehnts! Wie fühlt es sich an, diesen Titel nach jahrelanger harter Arbeit, aber auch schon einer gewissen Zeit im sportlichen Ruhestand zu erhalten?

Magdalena Neuner: Es war tatsächlich etwas eigenartig. Nach dem letzten Titel 2012 war ich mir sicher, das war es mit den Auszeichnungen. Gerade im Corona-Jahr rechnet man nicht mit einem entsprechenden Titel. Und dann auch noch in dieser Riege. Ich wurde schließlich gemeinsam mit Dirk Nowitzki ausgezeichnet. Das war schon wirklich toll. Schade war natürlich, das Ganze nicht im üblichen Rahmen auf einer Bühne feiern zu können und stattdessen den Preis nur per UPS zu erhalten.

Redaktion: Inwieweit hätte der Titel zur aktiven Zeit eine andere Gewichtung gehabt?

Magdalena Neuner: Ich habe nach meiner aktiven Zeit noch ein paar Auszeichnungen erhalten. Beispielsweise wurde ich in die Hall of Fame des Sports aufgenommen. Vielleicht ist der Abstand auch manchmal ganz gut. Man sieht, dass gewisse sportliche Leistungen tatsächlich einmalig waren.

Zu sehen, dass das sportliche Karriereende nicht das tatsächliche Ende war, ist schön.

Redaktion: Kommen damit auch Erinnerungen an die aktive Zeit hoch?

Magdalena Neuner: Unabhängig von der Auszeichnung denke ich sehr oft an diese Zeit zurück. Der Leistungssport war 16 Jahre lang ein so großer Teil meines Lebens. Das hat mich auch in meinem Wesen sehr geprägt. Auch, wenn ich jetzt Biathlon mitverfolge, erinnert mich das an mein Training. Ich blicke mit einem sehr positiven Gefühl zurück, bin aber auch froh über meine Entscheidung, mit 25 aufgehört zu haben.

Redaktion: Was war der prägendste Moment Ihrer Karriere?

Magdalena Neuner: Da gab es einige. Ich bin allerdings erst wieder an eine Situation aus dem Jahr 2007 – meine erste Weltmeisterschaft – erinnert worden. Damals wurde ich mit 19 dreifache Weltmeisterin. Zwischen den Wettkämpfen gab es stundenlange Interviews mit unzähligen Fotografen und Reportern. Da hat sich mein Leben schlagartig geändert. Ich bin hingefahren als ganz normaler Teenager, den niemand kannte. Als ich Heim kam, war mein Leben um 180 Grad gewandelt. Ich musste mich plötzlich mit so vielen neuen Dingen auseinandersetzen. Rückblickend waren das die prägendsten zwei Wochen meines Lebens.

Im Nachhinein bin ich sehr dankbar dafür, auch, wenn Jugend und Leichtigkeit schlagartig vorbei waren.

Redaktion: Wie oft machen Sie noch privat Sport?

Magdalena Neuner: Da ja mittlerweile Kind Nummer drei unterwegs ist, ist mein aktivster Sport, hinter den Kindern herzulaufen. Spätestens seit dem zweiten Kind habe ich tatsächlich weniger für mich selbst gemacht, dafür sind wir mit den Kindern umso aktiver. Es ist ein anderer Sport, aber ich fühle mich wohl und ausgeglichen damit und weiß, dass wieder andere Zeiten kommen.

Redaktion: Sie haben sich neulich dazu geäußert, dass sie sich Sorgen um den Biathlon-Nachwuchs machen. Nachwuchs ist ja in vielen Branchen ein Thema. Ob im Sport oder der Versicherungswirtschaft. Worin liegt der Schlüssel, Nachwuchs für etwas zu begeistern?

Magdalena Neuner: Ich kann das am besten aus der Sportlersicht beurteilen. Zunächst einmal benötigt man einen Zugang. Meine Eltern haben mich viel ausprobieren lassen, aber nie zu etwas gedrängt. Sobald ich herausgefunden habe, dass es der Biathlon ist, haben sie mich darin vollkommen unterstützt.

Ich hatte zudem den Traum, Olympiasiegerin und erfolgreich in meinem Sport zu werden. Vor allem Vorbilder waren dabei für mich extrem wichtig. Heutzutage gibt es sowohl im Sport, als auch im beruflichen ganz andere Möglichkeiten. Influencer zu werden ist für viele vielleicht attraktiver, um berühmt zu werden, als täglich sechs Stunden zu trainieren. Ich habe zwar selbst noch kleine Kinder, aber dennoch merke ich schon jetzt, dass man als Elternteil fördernd zur Seite stehen muss, wenn die Kinder ein Hobby haben.

In der Schule wurde ich mit meinem Berufswunsch hingegen nicht ernst genommen. Da hieß es dann eher „Wer wird schon Profisportler?“ oder „Lern doch lieber was Vernünftiges“.

Redaktion: Könnten Sie sich vorstellen, als Trainerin zu arbeiten? Und inwieweit würden Sie Ihren Kindern eine Sportlerkarriere wünschen?

Magdalena Neuner: Meine Tochter fährt schon ganz gut Alpin Ski. Coronabedingt stand sie jetzt ein Jahr nicht auf den Ski, daher bin ich gespannt, ob sie nächstes Jahr noch eine Begeisterung dafür hegt. Ich sage aber immer, wenn eines meiner Kinder entsprechende Ambitionen hätte, würde ich es tausendprozentig unterstützen. Aber das werde ich tun, egal, was meine Kinder machen möchten. Vielleicht wird das nächste ein Leistungssportler oder eine Leistungssportlerin. Die eigenen Kinder zu trainieren ist hingegen schwierig. Die lassen sich von der Mama wenig sagen. Prinzipiell könnte ich mir aber langfristig vorstellen, mit meinem Trainerschein in der Jugend zu arbeiten.

Redaktion: Wenn wir beim Thema Kinder sind. Inwieweit waren Ihre Kinder ausschlaggebend für die Zusammenarbeit mit Pangaea Life?

Magdalena Neuner: Ich hatte mehrere Beweggründe für die Zusammenarbeit. Das Nachhaltigkeitsthema trifft genau den Zahn der Zeit. Wir müssen mehr darauf achten, was wir täglich tun. Ich fand die finanzielle Vorsorge wie auch die Nachhaltigkeit der Umwelt für meine Kinder sehr spannend. Gerade als Wintersportlerin merke ich, dass die Umwelt nicht mehr so ist, wie sie einst war. Da mache ich mir auch Gedanken, wie meine Kinder das mal erleben werden. Es liegt daher an uns, jetzt etwas zu ändern. Es ist ein positiver Trend, der mich sehr motiviert hat.

Redaktion: Gerade in der aktuellen Zeit fällt es vielen Menschen zunehmend schwer sich zu motivieren. Sei es nun um für sich selbst oder die Umwelt. Welchen Motivationstipp haben Sie hier?

Magdalena Neuner: Ich glaube, Corona hin oder her, ich muss mich immer motivieren, etwas für die Umwelt zu tun. Aktuell haben wir alle mehr Zeit, über Dinge nachzudenken, zu hinterfragen oder diese zu ändern. Eigenverantwortlichkeit ist da ein ganz großes Thema. Was könnte ich tun, um die Welt ein bisschen besser zu machen? Darüber mache ich mir täglich Gedanken. Momentan gilt die Ausrede für die meisten nicht, sich auf andere Dinge zu konzentrieren.

Ich finde, der Gedanke passt gut in diese Zeit.

Redaktion: Sie waren auch schon auf einigen Events – wenn auch nur digital – zu Gast. Was hat Sie an der Branche überrascht und wo lassen sich die Bereiche vielleicht sogar vergleichen?

Magdalena Neuner: Besonders beim Startcampus habe ich im Paneltalk festgestellt, dass es einige Parallelen gibt. Natürlich ist es in jeder Branche dasselbe, wenn es um Ziele geht: Man muss viel investieren, um viel zu gewinnen. Ich habe mich schon immer relativ viel mit dem Thema Versicherung und Finanzen auseinandergesetzt, aber speziell die Nähe zum Menschen und einige Überlegungen innerhalb der Versicherungsindustrie haben mich positiv überrascht.

Der Mensch steht bei der Bayerischen wirklich im Vordergrund.

Ich finde es wirklich toll, wie positiv alle zum Thema Nachhaltigkeit eingestellt sind. Das habe ich auch beim Zukunftscampus wieder gemerkt. Auch anhand des Austauschs und der Rückfragen. Es geht nicht immer nur um die Rendite. Besonders Martin Gräfer fand ich so nahbar und verständlich in den Gesprächen. Das ging mir bisher nicht immer so. Wenn Leute auch Unternehmen so führen, kann es meiner Meinung nach nur gut werden.

Titelbild: © die Bayerische