Der Markt bietet immer mehr Zahnzusatztarife. Laut Maximilian Weizmann, Gründer der Onlineplattform Zahnzusatzversicherung-Experten, wird es für Laien parallel umso schwerer, Unterschiede zu erkennen. Im Interview fasst er zusammen, worauf es ankommt. Und was er sich von Versichern wünscht.

Redaktion: Herr Waizmann, wie kam es dazu, dass Sie das Portal „Zahnzusatzversicherung-Experten“ aufgebaut haben?

Maximilian Waizmann: Nach meiner Ausbildung zum Bankkaufmann konnte ich im elterlichen Familienbetrieb erste Erfahrungen im Thema Zahnzusatzversicherung sammeln. Im Jahr 2009 habe ich dann gemeinsam mit meiner Frau beschlossen, eine eigene Onlineplattform zu gründen. Das Portal www.zahnzusatzversicherung-experten.de haben wir seitdem kontinuierlich ausgebaut und verbessert.

Redaktion: Welche Entwicklungen haben Sie seitdem hinsichtlich Zahnzusatztarifen bemerkt? Haben Sie entsprechende Kennzahlen gesammelt?

Maximilian Waizmann: Es gab in der Tat einige Entwicklungen im Lauf der Jahre. Zum einen gab es vor 10-15 Jahren hauptsächlich Zahnzusatzversicherungen, die nach Art der Lebensversicherung kalkuliert waren. Heißt: die Beiträge waren mit Alterungsrückstellungen kalkuliert, wie man es aus der privaten Vollkrankenversicherung kennt.

Im Jahr 2006 / 2007 ist der schweizer Anbieter CSS erstmalig mit Tarifen nach Art der Schadenversicherung in Deutschland an den Markt gegangen. Diese waren deutlich günstiger, weil die Beiträge ohne Alterungsrückstellung kalkuliert waren. Anfangs haben sich viele Mitbewerber gegen diesen “modernen Firlefanz” ausgesprochen. Mittlerweile muss man sagen, dass praktisch fast alle namhaften Anbieter nachgezogen sind. Zudem sind die Tarife in den vergangenen Jahren immer leistungsstärker geworden.

Vor 15 Jahren war es noch ein Novum, wenn eine Zahnzusatzversicherung 50 Prozent oder mehr erstattete. Heute hat fast jeder Versicherer einen einhundertprozentigen Schutz im Angebot.

Außerdem versuchen sich die Versicherer auch in Leistungsdetails wie Sonderleistungen zu übertreffen, die Tarife eingebaut werden.

Redaktion: Und wie wird sich der Markt Zahnzusatztarife Ihrer Meinung nach in Zukunft entwickeln?

Maximilian Waizmann: Leider gibt es gewisse Tendenzen hin zu einem “Einheitsbrei”. Wenn man sich die Tarife anschaut, die alle paar Monate “neu” am Markt vorgestellt werden, dann merkt man, dass die Produkte immer ähnlicher werden. Meist werden drei unterschiedliche Tarife mit 100, 90 und 80 Prozent gestaltet, mit mehr oder weniger Zusatzoptionen.

Man muss dann schon sehr genau hinschauen, um die Unterschiede – die es ja trotzdem gibt – wirklich zu erkennen. Für den Endverbraucher wird der Markt damit immer undurchschaubarer.

Allerdings ist die “Gefahr”, ein wirklich schlechtes Produkt zu erwischen, immer geringer. Das bestätigen auch die Untersuchungen von Stiftung Warentest.

Redaktion: Was sind für Kunden die wichtigsten Aspekte, auf die sie beim Abschluss einer Zahnzusatzversicherung achten müssen?

Maximilian Waizmann: Am wichtigsten ist hier, dass das Produkt auch zum Kunden passt, insbesondere was den Zahnzustand und die Annahmerichtlinien anbelangt. Denn das kann ein Test einfach nicht bewerten und in die Rankings mit einfließen lassen. Die Gesundheitsfragen im Antrag sind sehr unterschiedlich formuliert – man muss da schon genau wissen, worauf man achten muss.

Gerade auch wenn es an Themen geht, wie beispielsweise fehlende Zähne oder andere “Vorschädigungen” bewertet werden, sind die Anbieter sehr unterschiedlich in der Beurteilung. Ansonsten ist für Kunden natürlich wichtig, dass die Bedingungen hochwertig gestaltet sind und nicht zu viele Einschränkungen oder Ausschlüsse beinhalten.

Redaktion: Worauf achten Kunden häufig nicht?

Maximilian Waizmann: Kunden lassen sich in ihrer Entscheidung und Wahrnehmung häufig von wohlklingenden Werbeversprechen blenden. Versicherungsgesellschaften, die viel Fernsehwerbung schalten und dabei nur die Vorteile ihrer Produkte betonen, sind hier in der Kundenwahrnehmung zunächst im Vorteil. Da wird “ohne Wartezeit” hier versprochen und “ohne Gesundheitsfragen” dort – aber das laufende Versicherungsfälle von der Leistung ausgeschlossen sind, und was man darunter konkret versteht, das geht aus den Werbeaussagen natürlich nicht hervor.

Unsere Kunden sind oft sehr dankbar, wenn wir sie auch über die Fallstricke aufklären. Im Direktvertrieb der Versicherer wird auf derlei Aspekte in der Beratung oft leider eher weniger Wert gelegt.

Redaktion: Welche Leistungen ziehen Kunden besonders an?

Maximilian Waizmann: Ohne Wartezeit und möglichst hohe Leistungsbegrenzungen am Anfang “ziehen” Kunden besonders an – denn viele haben bei Abschluss natürlich schon im Hinterkopf, dass bald mal etwas auf sie zukommen könnte. Aber auch die Beiträge werden natürlich als eher wichtig von Kunden eingestuft. Viele Kunden sind sich auch nicht unbedingt darüber im Klaren, dass die Beiträge im Laufe der Zeit angepasst werden könnten – viele suchen das günstigste Produkt aus und ärgern sich hinterher über steigende Beiträge. Auch das ist ein Aspekt, der in einer guten Beratung nicht fehlen sollte.

Redaktion: Haben Sie hier bestimmte Handlungsempfehlungen für Vermittler?

Maximilian Waizmann: Wer seine Kunden nachhaltig beraten möchte, muss sich vor allem den Zahnzustand gut anschauen und sich mit den Annahmerichtlinien der Gesellschaften auseinandersetzen.

Ich möchte anderen Vermittlern nicht zu nahetreten, aber wenn zum Beispiel in Fachgruppen bei Facebook nach Zahnzusatzversicherungen gefragt wird, dann geht meist munteres #Kuhfladenbingo los. Will heißen: jeder schmeißt mal seinen Favoriten in den Ring, ohne dass es – meistens – zur gefragten Ausgangslage “passt”. Wer das Thema Zahnzusatzversicherungen beraten möchte, muss schon etwas Zeit investieren und sich mit der Materie beschäftigen.

Redaktion: Wie ist Ihre Meinung zur Zahnzusatzversicherung der Bayerischen?

Maximilian Waizmann: Die Tarife der Bayerischen waren und sind sehr gut – das gilt sowohl für die “älteren” Tarife wie Dental Prestige als auch für die aktuelle Tarifserie ZAHN mit den Varianten Smart, Komfort, Prestige und Prestige Plus. Da ist eigentlich für jeden etwas dabei. Eine einzige Sache gibt es, die mich derzeit an den Tarifen stört: bei den Antragsfragen gibt es einen Punkt, der mir etwas Bauchschmerzen bereitet. Hier wird gefragt, ob in den vergangenen drei Jahren ein “Zahnschmelzdefekt” vorgelegen hat. Gleichzeitig findet sich der Hinweis “nicht anzugeben sind Karies oder eine Aufbissschiene wegen Zähneknirschen”.

Als zahnmedizinischer Laie ist das schwer verständlich. Die Bayerische versteht darunter unter anderem Schäden, die durch Zähneknirschen an den Zähnen entstanden sind, sogenannte “Abrasionen” oder “Schlifffacetten”. Kunden wissen nicht unbedingt, ob sein Zahnarzt möglicherweise schon einmal derartige Diagnosen gestellt hat, die ihm später bei Leistungsfällen im Zuge einer VVA-Prüfung Probleme bereiten würden.

Daher würde ich mich sehr freuen, wenn die Bayerische hier tätig wird und entweder diesen Punkt gänzlich streichen würde – oder ihn zumindest so formuliert, dass auch ein durchschnittlicher Verbraucher direkt erkennen kann, was gemeint ist und worauf es ankommt.

Titelbilder: © Maximilian Waizmann