Das Thema Nachhaltigkeit ist mittlerweile auch bei den Versicherern angekommen. Das bestätigt nicht zuletzt der Gesamtverband der Branche mit seinen Veröffentlichungen in den vergangenen Wochen und Monaten. „Ökonomie und Ökologie müssen kein Widerspruch sein“, schreibt Jörg von Fürstenwerth in seiner Kolumne.

Und tatsächlich: Auch Forscher haben bereits Belege für eine positive Korrelation von nachhaltiger Unternehmensführung und überlegener wirtschaftlicher Performance gefunden. Darunter auch ein Professor der renommierten University of Harvard. Diese Studie untersuchte allerdings nur große Player. Was bedeutet aber eine nachhaltige Strategie für kleinere Unternehmen, wie es Maklerbetriebe häufig sind? Wir haben mit Matthias Francke, Geschäftsführer der Auxesis Nachhaltige Finanzplanung GmbH, gesprochen. Denn Nachhaltigkeit ist sein Geschäftsmodell.

umdenken.co: Was hat Sie dazu bewogen, Ihre Firma nachhaltig zu positionieren?
Matthias Francke, Geschäftsführer Auxesis Nachhaltige Finanzplanung GmbH

Matthias Francke, Geschäftsführer Auxesis Nachhaltige Finanzplanung GmbH

Matthias Francke: Insbesondere persönliche Gründe. Ich wollte etwas zurückgeben, indem ich Aufklärungsarbeit leiste. Kein Mensch entscheidet sich bewusst dafür, dass sein Geld in ausbeuterische Kinderarbeit in der Textilindustrie oder in Kohleminen, Kriegswaffen, Atomkraft oder die Verletzung von Menschenrechten fließt. Das Geld liegt auf den Konten der Banken und Versicherungen, vermehrt sich und alles ist gut. So denken viele und möchten sich damit nicht näher beschäftigen. Aber genau das ist wichtig: Hinschauen und entscheiden, ob es das ist, was ich mit meinem Geld erreichen möchte. Über alternative Möglichkeiten zu informieren, ist meine persönliche Motivation.

umdenken.co: Hand auf’s Herz – ist Ihr Betrieb komplett nachhaltig?

Matthias Francke: Ich versuche es weitestgehend. Meine Bürotechnik, etwa die Notebooks, kaufe ich meistens gebraucht. Bürobedarf und Schreibwaren beziehe ich öko und fair bei einem großen deutschen nachhaltigen Versandhändler. Auch mein Strom ist öko und für längere Fahrten innerhalb Deutschlands nutze ich die Deutsche Bahn. Die Produkte, die ich berate, entsprechen, zumindest im Neugeschäft, ökologischen, ethischen und sozialen Kriterien.

umdenken.co: Hat die bewusste Entscheidung für ein nachhaltiges Geschäftsmodell für Sie etwas geändert?

Matthias Francke: Dadurch, dass ich gleichzeitig mit dem Schritt in die Selbstständigkeit mein nachhaltiges Geschäftsmodell umgesetzt habe, hat sich eine ganze Menge verändert. Zum Thema Nachhaltigkeit und Finanzen habe ich damals jeden Artikel und jedes Buch „verschlungen“. Gleichzeitig habe ich mich mit Kollegen ausgetauscht, die diesen Weg schon längere Zeit gehen. Daneben habe ich mich von Beginn an, auch im Rahmen meiner Weiterbildung zum „Fachberater für nachhaltiges Investment“, intensiv mit den Fragen des Klimawandels, der nachhaltigen Wirkung des Geldes und den Auswirkungen auf unser Leben, beschäftigt.

umdenken.co: Hat Ihr Konzept einen Einfluss darauf, wie Ihre Kunden Sie wahrnehmen?

Matthias Francke: Kunden nehmen mich zuallererst als Menschen wahr, der sich für ihre persönliche Situation und Lebenslage interessiert, vertrauensvoll damit umgeht und anschließend werte- und kundenorientiert nach Lösungen sucht. Da unterscheide ich mich zunächst nicht von Kollegen, die ihren Beruf ebenfalls ernst nehmen. Allerdings erwarten die Kunden von mir Lösungen, keine Produkte „von der Stange“, die ihren strengen Kriterien von ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit entsprechen.

umdenken.co: Hat sich die Klientel im Laufe der Zeit verändert? Kommen vor allem „Ökos“ zu Ihnen in die Beratung?

Matthias Francke: Aufgrund meiner klaren Ausrichtung, meines Engagements in nachhaltigen Netzwerken und Organisationen, spreche ich aktuell nahezu ausschließlich mit Menschen und Unternehmen, die nachhaltig „ticken“.

Dabei mit die wichtigste Zielgruppe: Die LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability), also Menschen, die achtsam und gut informiert nachhaltige Produkte und Dienstleistungen auswählen. Diese finden mich, weil sie beispielsweise mit ihren Geldanlagen nicht ausschließlich auf Profit und ökonomische Rentabilität achten, sondern Lösungen und Produkte suchen, die auch der Umwelt und Gesellschaft dienlich sind.

“Die Arbeit und das Engagement in dem Bereich zahlt sich aus, weil diese Zielgruppe meiner Erfahrung nach über ein hohes Bildungsniveau und ein überdurchschnittliches Einkommen verfügt.” Matthias Francke

Sie lebt qualitäts- und gesundheitsbewusst, präferiert Ökoprodukte und ist sozial engagiert.

umdenken.co: Gibt es mehr Kunden, die nachhaltige Finanz- und Versicherungsprodukte suchen? Ist die Nachfrage aus Ihrer Sicht gestiegen?

Matthias Francke: Der Markt ist, gestatten Sie mir den Ausdruck, riesig. Umfragen kommen zum Ergebnis, dass in Deutschland rund 23 Millionen Menschen dem Thema Nachhaltigkeit positiv gegenüberstehen und davon rund fünf Millionen Menschen soziale, ethische und ökologische Kriterien aktiv in ihre Kauf-Entscheidung einbeziehen. Tendenz steigend.

umdenken.co: Glauben Sie, dass nachhaltige Finanz- und Versicherungsprodukte zunehmend Relevanz bekommen werden? Müssen Makler diesen Trend ernst nehmen?

Matthias Francke: Ja, davon bin ich überzeugt. Nachhaltigkeit ist positiv besetzt. Ethisch korrekte Produkte werden immer beliebter und die Attraktivität nachhaltiger Geldanlagen und Versicherungslösungen nimmt stark zu. Ein Blick über den Tellerrand: Der Anteil erneuerbarer Energien hat sich seit 2001 verdreifacht und die Anzahl der Ökostrom-Kunden hat sich seit 2005 mehr als verzehnfacht. Es ist mittlerweile sehr einfach, einen nachhaltigen Stromanbieter zu finden. Aber noch ist es sehr schwer nachhaltige Versicherungslösungen zu erkennen, obwohl es sie bereits gibt. Ich würde mich freuen, wenn sich künftig mehr Kollegen dieser Themen annehmen und damit auch die Verantwortung für die gegenwärtige und zukünftige Gesellschaft übernehmen würden.

Titelbild: © Netzer Johannes / fotolia.com; Beitragsbild: © Matthias Francke