Ein starker Rückgang der Beschwerden bei den Lebensversicherungen – und die Zahl der Vermittlerbeschwerden tendiert weiter gegen Null. So lautet der (aus Maklersicht) wichtigste Teilaspekt der Bilanz des Jahresberichts 2018 von Ex-Ombudsmann Prof. Dr. Günter Hirsch und Dr. h.c. Wilhelm Schluckebier, seit März 2019 Chef der Schlichtungsstelle. Wenn das keine Steilvorlage gegen die Einführung eines Provisionsdeckels bei der Vermittlung von Lebensversicherungen ist! Die Kritiker des Entwurfs jedenfalls bekommen so langsam Oberwasser …

Ein Sargnagel für den Provisionsdeckel-Entwurf? 

AfW-Vorstand Norman Wirth

Geht es nach dem Vorstand des Bundesverbands Finanzdienstleistung AfW, Rechtsanwalt Norman Wirth, ist das Argument, dass die Beratung bei Lebensversicherungen schlecht sei und verbessert werden müsse, mit dem jüngsten Bericht widerlegt.

Angesichts der absoluten Zahlen – 103 zulässige Vermittlerbeschwerden, davon 43,7 Prozent, also 45 Beschwerden, in der Sparte Leben – tendiert der Wert gegen Null, wie Wirth zu bedenken gibt. In Deutschland seien etwa 200.000 Versicherungsvermittler registriert. Statistisch betrachtet, habe es im vergangenen Jahr also nur 0,00016 Beschwerden, in der Sparte Lebensversicherungen sogar nur 0,00007 Beschwerden pro Versicherungsvermittler gegeben.

In Zusammenhang mit dem geplanten Provisionsdeckel-Gesetz betonte der AfW-Vorstand, dass mit dem vorliegenden Entwurf ein sehr bürokratisches und kaum umsetzbares System von Qualitätskriterien vorgestellt und den Versicherern die Aufsicht über deren Einhaltung übertragen werde.

Ombudsmann: Viele unzulässige Beschwerden gegen Vermittler

Insgesamt musste sich der Ombudsmann für Versicherungen im vergangenen Jahr mit 283 (Vorjahr: 297) Beschwerden gegen Vermittler beschäftigen. Das ist ein Rückgang um 4,7 Prozent. In 25 Fällen wurden die Beschwerden nicht weiterverfolgt. 175 Beschwerden waren unzulässig. Häufigster Grund dafür war mit 55 Prozent ein fehlender Zusammenhang mit einer Vertragsvermittlung. Zweithäufigster war mit 31 Prozent die fehlende Anspruchsanmeldung.

Inhaltlich unterschieden sich die Vermittlerbeschwerden im Jahr 2018 kaum von denjenigen der Vorjahre. Ein Schwerpunkt lag in Beanstandungen der Beratung und Vermittlung nicht benötigter Versicherungsverträge (mit dem Ziel der Rückabwicklung dieser Verträge) sowie der Vermittlung von nicht passendem Versicherungsschutz.

Weitere Zahlen der Schlichtungsstelle

Konkret haben die Verbraucher im vergangenen Jahr 14.147 zulässige Beschwerden bei der Schlichtungsstelle eingereicht. Gegenüber dem Jahr 2017 bedeute dies ein Minus von 5,1 Prozent. Der Blick auf die einzelnen Versicherungssparten verdeutlicht, dass die Eingaben in der Lebensversicherung um 19,7 Prozent zurückgingen.

Ebenfalls niedriger sei das Beschwerde­aufkommen in der Rechtsschutzversicherung ausgefallen, wenngleich nur um sechs Prozent. Damit stehe diese Sparte aber immer noch an der Spitze der Beschwerdestatistik. Der größte Zuwachs sei in der Gebäudeversicherung mit fast 25 Prozent zu verzeichnen, danach folge die Kfz-Kasko- und dann die Kfz-Haftpflichtversicherung mit 6,2 und 7,1 Prozent. Besondere Vorkommnisse seien aus statistischer Sicht jedoch nicht erkennbar.

2018 bearbeitete die Schlichtungsstelle 14.329 zulässige Beschwerden. Zusammen mit den unzulässigen und von den Beschwerdeführern nicht weiterverfolgten Vorgängen wurden 19.216 Verfahren beendet. Die durchschnittliche Verfahrensdauer der zulässigen Beschwerden sank auf durchschnittlich 2,6 Monate.

So ziehen Makler Nutzen aus den Informationen

Der Ombudsmann für Versicherungen verdeutlicht mit seiner Jahresbilanz einmal mehr: die Versicherungsbranche ist deutlich besser, als ihr Ruf vermuten lässt. Die Zahl der Beschwerden – ob berechtigt oder nicht – ist weiterhin rückläufig. In der Sparte Leben, in der die Beratungsqualität ja angeblich so schlecht sei, dass die Einkünfte der Vermittler staatlich reglementiert werden müssen (Stichwort Provisionsdeckel), sinkt die Beschwerdequote immer weiter und tendiert schon fast gegen Null.

Diese Zahlen und Erkenntnisse der jüngsten Ombudsmann-Bilanz dürfen Makler offen und mit Stolz nach außen kommunizieren. Ob im Kundengespräch, auf der eigenen Webseite oder über Soziale Medien hinweg. Die Devise heißt: Gute Produkte lassen sich mit breiter Brust noch besser verkaufen!

Übrigens: Gerade wenn es um den Kampf gegen den geplanten Provisionsdeckel geht, steht die Bayerische ihren Partnern zur Seite. So zum Beispiel mit der erst jüngst gestarteten Abgeordneten-Initiative.

Der Jahresbericht des Ombudsmannes steht zum Download auf der Webseite der Schlichtungsstelle bereit.

Titelbild: © MATTHIAS BUEHNER/fotolia.com; Beitragsbild: © Wirth Rechtsanwälte