Das neue Jahr ist angebrochen. Welche Veränderungen kommen auf Vermittler und Kunden zu? Wir haben beim Experten nachgefragt.

Zurückrudern bei der Rentenreform

November 2020: Ein Fachausschuss der CDU legt ein neues Rentenkonzept vor. Weil der Lebensstandard im Alter nur mit einer ausgewogenen privaten und betrieblichen Vorsorge möglich sei, brachte die Politik unter anderem eine Vorsorgepflicht für Geringverdiener ins Gespräch. Auch die bereits länger diskutierte Reform der Riester-Rente fand sich im Papier wieder, berichtete die ProContra. Nur kurz darauf meldeten sich die Gegenstimmen. Dem Spiegel zufolge stellten sich Grüne, Linke und SPD gegen die Vorschläge. Am 1. Dezember titelte das Handelsblatt „Union kassiert Rentenvorschläge des Sozialflügels“. Was kommt in diesem Jahr also wirklich auf Vermittler zu? Dazu haben wir mit Pascal Baumüller, Geschäftsführer der Valuniq Pension Consulting und Finalist des letztjährigen JungmaklerAwards, gesprochen.

Redaktion: Herr Baumüller, was kommt auf Kunden und Vermittler im neuen Jahr hinsichtlich der betrieblichen Altersvorsorge zu? Welche sind die wichtigsten Neuerungen?
Pascal Baumüller

Pascal Baumüller, Geschäftsführer der Valuniq Pension Consulting

Pascal Baumüller: Ein großes Thema, das uns auch 2021 weiter begleiten wird, ist das Betriebsrentenstärkungsgesetz. Das ist jetzt nicht unbedingt eine Neuerung, aber wir befinden uns nun im finalen Jahr, in dem die ganzen neuen Umstellungen umgesetzt werden müssen. Für uns ist es die größte Aufgabe, hier entsprechend Aufklärung zu schaffen. Da liegen zum Beispiel noch viele Altverträge bei Kunden herum, die einer Erneuerung oder Aktualisierung bedürfen.

Redaktion: Auf welche Herausforderungen stoßen Sie dabei?

Pascal Baumüller: Herausforderungen ist vielleicht das falsche Wort. Wir sind voll im Plan, aber es kommt auch immer darauf an, ob der Unternehmer das, was wir vorschlagen, auch als sinnvoll erachtet. Es kommt durchaus  vor, dass jemand sich sperrt und fragt, warum er denn schon wieder etwas anpassen müsse – er habe doch erst vor kurzem, vor einem Jahr, vielleicht vor zehn, etwas getan. Hier muss ihm klar werden, dass es sich schließlich um gesetzliche Änderungen handelt und wir ihn aus der Haftung nehmen wollen.

Redaktion: Im vergangenen Winter haben CDU-Politiker ein neues Rentenkonzept vorgelegt. Darin ist zum Beispiel von einer Verpflichtung für Geringverdiener, eine bAV oder pAV abzuschließen, die Rede. Wie schätzen Sie das ein? Kommt da in diesem Jahr noch mehr?

Pascal Baumüller: Zunächst einmal ist da sicherlich eine gewisse Skepsis angebracht. Diese Pläne sind da, aber ich frage mich, ob und wie das umgesetzt wird. Die letzte Änderung bezüglich der Geringverdienerförderung, siehe § 100 in der betrieblichen Altersvorsorge, wurde ja nur halb zu Ende gedacht. Denn wenn der Vermittler keine Courtage bekommt, dann wird er ein bestimmtes Produkt tendenziell eher nicht anbieten. Eine Verpflichtung wäre zumindest für diejenigen sinnvoll, die nach wie vor nicht verstanden haben, dass es eine Rentenlücke gibt. Und aus staatlicher Sicht ist das die einzige Möglichkeit, die gesetzliche Rente noch zu retten. Wenn da kein Eingriff kommt, laufen wir nur noch schneller auf den „Abgrund“ zu.

Redaktion: Was sind denn Ihrer Erfahrung nach die häufigsten Gründe dafür, weswegen Kunden nicht vorsorgen? Was hören Sie am häufigsten?

Pascal Baumüller: Für viele existiert die Differenzierung zwischen privater und beruflicher Altersvorsorge nicht. Die Argumente dafür oder dagegen sind da nicht viel anders – egal, ob es sich um private oder betriebliche Altersvorsorge handelt. Wer sich privat nicht absichert, der wird das auch beruflich nicht tun. Für die einen ist es bis zum Rentenbeginn ja noch so lange hin, da denken sie noch gar nicht dran. Die anderen wiederum finden das Konzept nicht gut und wollen nicht sparen. Sie sind davon überzeugt, das Problem irgendwie anders lösen zu können. Wer dagegen offen ist, für den kann auch eine höhere Beteiligung des Arbeitgebers zusätzlich motivierend wirken.

Redaktion: Wie wichtig ist Kunden denn der Arbeitgeberzuschuss?

Pascal Baumüller: Es muss immer ein guter Zuschuss des Arbeitgebers mit dabei sein, sonst ist das für den Mitarbeiter einfach nicht attraktiv. Mit 15 Prozent Zuschuss ist die Abschlussquote eher schlecht.

Redaktion: Ein kleiner Jahresausblick zum Schluss. Worauf freuen Sie sich im neuen Jahr am meisten?

Pascal Baumüller: Sowohl beruflich als auch privat freue ich mich auf ein bisschen mehr Normalität. Dass wir uns wieder mehr trauen, ins persönliche Gespräch zu gehen. Und ich freue mich darauf, dass wir unter der neuen Marke Valuniq Pension Consulting an den Markt gehen und uns da präsentieren.

Titelbild: © Alex Muchnik, Beitragsbild: © Pascal Baumüller