Gefühlt sind sie fast überall auf der Welt anzutreffen: deutsche Rentner, die die schönsten Wochen des Jahres entweder mit dem Ehepartner oder zusammen mit Gleichgesinnten verbringen. Ein Phänomen ist jedoch hinzugekommen: Immer mehr Pensionäre wollen dort auch dauerhaft bleiben.

Eine Statistik der Deutschen Rentenversicherung Bund besagt: Die Zahl der Rentenzahlungen ins Ausland hat sich in den vergangenen 20 Jahren fast verdoppelt. So leistete der bundesweit tätige Träger der gesetzlichen Rentenversicherung im Jahr 2017 insgesamt 238.117 Rentenzahlungen an im Ausland lebende Deutsche. Noch vor zwei Jahrzehnten belief sich diese Zahl auf gerade einmal 133.503. Ein Grund mehr, der Frage nachzugehen: Was ist wichtig, wenn Rentner mit Dauerwohnsitz im Ausland gut versorgt ihren Ruhestand genießen wollen?

Immer mehr Renten gehen in klassische Urlaubsländer

Das Gros der oben aufgeführten Rentenzahlungen geht an Deutsche, die in Nachbarländern wie Österreich, Frankreich oder der Schweiz leben. Aber auch weit entfernte Länder wie Kanada oder die USA tauchen in dieser Statistik ganz vorne auf.

Besonders auffällig: Eine zunehmende Zahl an Rentenleistungen geht inzwischen auch in die bevorzugten Urlaubsländer der Deutschen. Bestes Beispiel hierfür ist Spanien. Hier hat sich die Zahl der deutschen Rentenbezieher in den letzten 20 Jahren nahezu verdreifacht. Laut einem Bericht der ZEIT wird aber auch Thailand für immer mehr deutsche Ruheständler zum dauerhaften Sehnsuchtsort. Vor zwei Jahren bezogen dort schon mehr als 5.400 Deutsche ihre Rente.

Die Rente wandert einfach mit ins Ausland

Dass die Zahl der dauerhaft im Ausland lebenden deutschen Rentner in den letzten Jahrzehnten so stark angestiegen ist, hat mehrere Ursachen.

  1. Das Recht auf Freizügigkeit innerhalb der Europäischen Union schließt auch die Rentnergeneration mit ein. Und die deutsche Rente wandert einfach mit und wird in aller Regel auch ins Ausland in voller Höhe überwiesen. Das gilt übrigens auch für private Lebens- und Rentenversicherungen und die Riester-Rente.
  2. Viele Rentenbezieher erhalten nicht nur die im Laufe vieler Arbeitsjahre erworbene gesetzlich garantierte Rente, oft profitieren sie auch von einer Betriebsrente oder einer zusätzlichen betrieblichen Altersvorsorge. Die bAV jedoch ist auch außerhalb Deutschlands steuerpflichtig. Um sich über die Steuerpflichten im Ausland zu informieren und eine Doppelbesteuerung zu vermeiden, sollten sich Rentner an das für sie zuständige Finanzamt Neubrandenburg wenden.

Doch worauf müssen deutsche Auslandsrentner sonst noch achten, bevor Sie sich entscheiden, Ihren Lebensabend fern der Heimat zu verbringen? Hier ist die Expertise eines erfahrenen Beraters gefragt.

Erst versichern, dann ins Ausland

Abgesehen von den monatlichen Überweisungen der gesetzlichen und privaten Rentenzahlungen steht bei vielen Ruheständlern, die mit einem dauerhaften Aufenthalt im Ausland liebäugeln, eine zentrale Frage im Vordergrund: Wie steht es um meine Krankenversicherung?

Berater von Kunden, die gesetzlich krankenversichert sind, sollten einen wichtigen Hinweis vorausschicken. Wer dauerhaft ins europäische Ausland übersiedeln möchte, muss auch in die gesetzliche Krankenversicherung seiner neuen Heimat wechseln. Dieser Wechsel ist oft mit viel Bürokratie und starken Einschränkungen bei den Versicherungsleistungen verbunden. Laut dem Portal Deutsche im Ausland werden auch diese Leistungen häufig privat abgerechnet.

Wer privat krankenversichert ist, genießt den Vorteil, dass er auch bei einer Umsiedlung ins EU-Ausland weiterhin auf der sicheren Seite ist. Wenn sich der Kunde jedoch dauerhaft außerhalb der EU oder des EWR (Europäischer Wirtschaftsraum) ansiedeln möchte, sollte er sich frühzeitig an seinen Versicherer wenden. Falls der Versicherer das Vertragsverhältnis überhaupt fortsetzt, muss der Versicherte unter Umständen mit einem Beitragsaufschlag rechnen.

Welche Art von privater Krankenversicherung oder Krankenzusatzversicherung der Kunde benötigt, ist im individuellen Gespräch zu erörtern. Wichtig bei der Angebotserstellung sind Faktoren wie eine mögliche Altersbegrenzung, eine Begrenzung der Versicherungssummen, oder die Unabhängigkeit von einem deutschen Wohnsitz.

Es gibt immer ein Zurück

Für Vermittler erfordert der Umgang mit der Zielgruppe Auslandsrentner viel Empathie und Fingerspitzengefühl. Denn tatsächlich ist Auswandern, egal in welchem Alter, immer ein erheblicher Einschnitt. Der Verein “Deutsche im Ausland (DIA)” weist daher ausdrücklich darauf hin, dass Auswanderer auch stets eine mögliche Rückkehr einplanen sollten.

Kann der Kunde eine Rückkehr in die PKV tatsächlich nicht generell ausschließen, sollte er eine Anwartschaftsversicherung abschließen.

Titelbild: © marchello74/fotolia.com; Beitragsbild: © Gesamtverband der Deutschen Versicherer (GDV)