Im Herbst fand der erste Fachkongress zum Thema Grundfähigkeitenversicherung statt. Eine Marktneuheit, bei der sich drei Versicherer zusammenschlossen, um aufzuklären, neugierig zu machen und Diskussionen anzufachen. Nebst Speakern der Bayerischen, der Gothaer und der NÜRNBERGER waren auch externe Experten geladen. Wir haben mit Philip Wenzel, dem Experten für Biometrie, und dem BU-Profi Guido Lehberg gesprochen. Ein Rückblick.

Redaktion: Herr Wenzel, Herr Lehberg, was sind rückblickend Ihre Eindrücke zum Grundfähigkeiten-Fachkongress?

Philip Wenzel, Experte für Biometrie

Philip Wenzel: Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass auch viele erfahrene Vermittler zum Kongress kamen, um sich zu einer „neuen“ Form der Absicherung zu informieren. Ich hätte eher gedacht, dass wir junge Kollegen ansprechen, die versuchen, in der Arbeitskraft-Absicherung Fuß zu fassen.

Guido Lehberg: Damit ist noch nicht alles geschafft. Wir müssen noch viel Aufklärungsarbeit zur Grundfähigkeitenversicherung leisten. Bis diese Absicherungslösung sich wirklich etabliert hat, wird es noch einige Zeit dauern.

Redaktion: Mit welchen Erwartungen sind Sie an dieses Projekt gegangen?

Guido Lehberg: Meine Erwartung war, dass die drei Versicherer für eine gemeinsame Sache stehen und dies nach außen hin vertreten. Die Teilnehmer sollten etwas mitnehmen, was ihnen bei der täglichen Arbeit sofort weiterhilft und die Beratungsqualität steigert. Das ist uns gemeinsam sehr gut gelungen.

Philip Wenzel: Ich dachte, da kommt mehr Widerstand auf uns zu. Es gibt Fraktionen, die alle Absicherungsideen neben der Berufsunfähigkeitsversicherung verdammen. Davon war auf dem Kongress aber nichts zu hören.

Redaktion: Gab es aus Ihrer Sicht ein „Highlight“ des Kongresses?

Guido Lehberg, der BU-Profi

Philip Wenzel: Das Frühstück in Düsseldorf. (lacht) Außerdem natürlich die Einigkeit. Es gab keine „Tarifschlacht“ der teilnehmenden Parteien. Niemand wurde schlechtgemacht. Das hat mir sehr gut gefallen.

Guido Lehberg: Die Mischung aus drei hochkarätigen Referenten und hochrangigen Gesellschaftsverantwortlichen. Das kannte ich davor nur von kleinen exklusiven Fach-Veranstaltungen.

Redaktion: Was nehmen Sie mit? Welche Handlungsfelder liegen noch vor der Branche, wenn es um Grundfähigkeitenversicherung geht?

Guido Lehberg: Wir haben einen Grundstein gelegt. Jetzt ist es wichtig, das „Wie“ zu lernen. Wie kann der Makler das neue Wissen in seinen Beratungs- und Dokumentationsprozess einbauen, ohne dabei einen deutlichen Mehraufwand zu haben? Welche Fragen kommen häufig vom Kunden? Welche Antwort kann ich als Makler geben? Tatsächlich macht es wohl Sinn, den aktuell eingeschlagenen Weg, zum Beispiel durch einen weiteren Kongress oder Fach-Workshops für Vermittler, fortzusetzen und die Grundfähigkeitenversicherung zu etablieren, bevor neue Produkte auf den Markt kommen, die dann keiner vermittelt.

Philip Wenzel: Die Grundfähigkeitenversicherung muss auf jeden Fall besser vergleichbar werden. Die Einfachheit des Produkts ist ja nur vertrieblicher Natur. Der Kunde versteht halt besser, was gemeint ist, wenn ich eine Schraube in die Wand drehe oder 400 Meter laufen muss. Aber die Vergleichbarkeit unter den Tarifen ist schwieriger als in der Berufsunfähigkeitsversicherung und der Leistungsfall nicht so viel leichter. Da ist auf jeden Fall Luft nach oben.

Was waren Philip Wenzels Fokusthemen auf dem Grundfähigkeiten-Fachkongress? Mehr dazu im Video.

Makler, die den Grundfähigkeiten-Fachkongress verpasst haben, finden auf unserem Blog einen Nachbericht.

Titelbild: ©Maria_Savenko/ stock.adobe.com, Beitragsbilder: © Philip Wenzel, @ Guido Lehberg