In Uganda fahren inzwischen E-Busse und auch sonst ist das dritte Welt Land bemüht um verstärkten Klimaschutz. Dabei trägt der Kontinent im Vergleich relativ gering zur globalen Verschmutzung bei. Doch wie schwer fällt dem Kontinent hingegen der wirtschaftliche Aufschwung?

Armut trotz Aufschwung

Trotz optimistischer Prognosen, Afrika sei wirtschaftlich im Aufschwung sowie teils hohen Wachstumsraten, sprechen die Zahlen leider eine andere Sprache. Im Vergleich der Wirtschaftsleistung der der EU, den USA, Japan, China oder Indien fällt auf: Afrika stellt rund 17 Prozent der Weltbevölkerung, die Wirtschaftsleistung erbringt jedoch weit weniger als drei Prozent der globalen Erträge.

DW zufolge nehmen sowohl Europäer als auch Nordamerikaner an, dass Entwicklungshilfen in den letzten Jahren wenig bis gar nichts gegen die Armutsbekämpfung Afrikas unternommen haben. Tatsächlich stimmt die Annahme so allerdings nicht. Fortschritte zeigen sich vor allem bei denjenigen, die unter 1,90 US-Dollar am Tag zum Leben haben. Insgesamt sei der Anteil der Menschen in Afrika, die in monetärer Armut leben, eindeutig zurückgegangen, von 54 Prozent im Jahr 1990 auf 41 Prozent im Jahr 2015. Steigerung der Produktivität in der Landwirtschaft, wie beispielsweise der Kaffeeanbau oder der Ausbau von Infrastrukturen im ländlichen Raum trugen zur positiven Entwicklung bei.

Allerdings: Der parallele Bevölkerungswachstum erhöht die Zahl der Armen. Von 278 Millionen auf 413 Millionen. Sollte die afrikanische Regierung ihre Bemühungen nicht deutlich verstärken, so würde das Ziel, alle Formen der Armut bis 2030 zu beenden, verfehlt. In der Mittelschicht bedürfte es hierfür eines jährlichen Wachstums von mindestens sechs Prozent, um das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen von 750 US-Dollar pro Jahr bis zum Jahr 2025 zu verdoppeln.

Innovation als Zukunftslösung?

Tatsächlich ist entsprechende Studie ein Paradox. Denn: Seit Jahren verzeichnet Afrikas Volkswirtschaft einige der höchsten Wachstumsraten der Welt. Pro Jahr stieg das Bruttoinlandsprodukt im afrikanischen Durschnitt zwischen 2000 und 2008 um 4,7 Prozent. Das Problem erkennt der Commitment to Reduce Inequality Index. Eine Untersuchung von Bemühungen der Regierungen im Kampf gegen Ungleichheit.

Diese sind ein großes Problem. Viele Staaten sind nicht engagiert genug, damit von einer florierenden Wirtschaft auch die Bevölkerung profitiert.

Und doch gibt es afrikanische Länder, die den Kampf um eine bessere Wirtschaft und somit steigende Lebensqualität vorantreiben. Bei einem Ranking der innovativsten Länder landete beispielsweise Mauritius mit einem Indexwert von 34,35 Punkten im globalen Ranking 2020 auf Platz 52 von 131 Staaten. Ein Sprung von 30 Plätzen aus dem Vorjahr. Der Grund: die stetige Weiterentwicklung von Innovationen. Weitere afrikanische Länder, wie Südafrika (Platz 60), Kenia (Platz 86), Tansania (Platz 88) oder Botswana (89) schafften es ebenfalls ins Ranking. Das Ranking vergleicht die Innovationsfähigkeit einzelner Länder. Erfasst und veröffentlicht in einem jährlichen Intervall durch die französische Business School INSEAD, der Cornell University sowie der Weltorganisation für geistiges Eigentum der Vereinten Nationen.

Mit dem technologischen Wandel können – trotz Fortschritt – im globalen Vergleich allerdings auch Vorzeigeländer wie Südafrika oder Äthiopien laut Addendum nicht mithalten. Denn: Diese investieren zwar in einen nachhaltigen Wirtschaftswandel und stärken den Mittelstand. Die Mehrheit der Betriebe nutzt überhaupt kein Internet und ist dadurch von Marktinformationen deutlich abgehängt.

Bedrohung der Agrarwirtschaft

Der größte Wirtschaftssektor Afrikas macht, dem Weltagrarbericht zufolge, die Agrarwirtschaft aus. 57 Prozent der afrikanischen Bevölkerung leben auf dem Land. 53 Prozent dient die Landwirtschaft als Existenzgrundlage. Und hier trifft Afrika auf ein zusätzliches Problem: den Klimawandel. Wie das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) berichtet, sind die natürlichen Ressourcen und biologische Vielfalt des Landes gefährdet. Der Grund: ernsthafte Umweltprobleme, die die sozioökonomische Entwicklung und die Lebensgrundlage der Bevölkerung beeinträchtigen. Zu diesen zählen Entwaldung, Land- und Bodendegradierung und Verlust der Artenvielfalt. Und auch hier ist der Bevölkerungswachstum bei steigendem Lebensstandard problematisch. Der Klimawandel kann empfindliche Ökosysteme zusätzlich stören. Auch die Wasserversorgung der Bevölkerung leidet seit Jahren.

Klimatäter- und Opfer

Auch hinsichtlich der Klimawandels erfährt der Kontinent ein Paradox. Dortige Länder trifft im Vergleich beinahe keine Schuld an der Klimaerwärmung. Und das, obwohl Südafrika zu den schlimmsten Kohlenwasserstoff-Emittenten der Welt gehört. Die Elektrizität wird zu 90 Prozent in Kohlekraftwerken hergestellt. Zudem produziert der Staatskonzern Sasol Benzin aus Kohle. 37 Prozent der Rohstoffexporte, fast fünf Milliarden Dollar im Jahr, werden hier mit der Ausfuhr von Kohle eingenommen. Eine Industrie, die auch Arbeitsplätze schafft.

Und gerade sie sollen laut dem Standard auf Dinge verzichten, die die Wirtschaft fördern würden und für nördliche Länder selbstverständlich sind. Von Verkehrsmitteln, Elektrizitätswerken, Industriepars und Klimaanlagen hängt allerdings stark die Entwicklung ab. Zudem sorgt sich die Mehrheit der Menschen des flächenmäßig größten Kontinents nicht um Klimaprobleme der Zukunft. Ihr Überleben hängt oft schon von der Mahlzeit des nächsten Tages ab.

Kampf gegen Klimaverschmutzung

Auch, wenn die afrikanischen Stimmen gegen den Klimawandel leise sind. Es gibt sie. Beispielsweise vertreten durch die ugandische Klimaaktivistin Vanessa Nakate.

Bekanntheit erlangte sie über Social Media. Denn: Aus einem Bild, das während des Weltwirtschaftsforums in Davos mit mehreren Aktivistinnen – unter anderem Greta Thunberg – aufgenommen wurde schnitt eine Nachrichtenagentur sie – als einzige Schwarze – aus dem Bild heraus. Trotz der Schmach war ihr zumindest Aufmerksamkeit für ihre Sache gewiss.

Und auch die Regierungen Afrikas bekämpfen vereinzelt den Klimawandel. So fährt beispielsweise seit diesem Jahr der erste elektronische Bus Ugandas. Durch eine Stadt – Kampala – die als schadstoffbelastetste Stadt der Welt gilt.

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