Corona macht erfinderisch. Das gilt auch für viele Betriebe. Wir zeigen einige Unternehmen, deren Umstellung die neue Norm ist. Vom Luxuslabel bis zum Mittelständler und der Lama-Farm. Doch wie nachhaltig sind die Neuerungen?

Kreative Krise

Desinfektionsmittel statt Schnaps, Atemschutzmasken statt Mode und Beatmungsgeräte anstelle von Formel 1-Motoren. Weltweit passen Konzerne ihre Produktion der Corona-Krise an. So fertigte Ferrari laut Spiegel Teile der Produktion an, um Italien bei der Herstellung von Beatmungsgeräten zu unterstützen. Mit 50.000 Litern Alkohol belieferte der Spirituosenhersteller Jägermeister das Klinikum Braunschweig, wie WELT berichtete. Und auch Luxusmodemarken zeigten sich solidarisch. Dem Standard zufolge unterstützte Prada mit der Fertigung von 80.000 Arztmäntel sowie 110.000 Atemschutzmasken die toskanischen Sanitäter. In Deutschland wurden auch Betriebe aus dem Mittelstand kreativ. Die Hessenschau berichtete zum Beispiel von einem Messebauer, der Plexiglaswände herstellte. Das nachhaltige Start-Up „BeWooden“ vertrieb wiederum online selbstgenähte Masken.

No Drama Lama

Doch auch außerhalb des Handwerks gibt es gute Ideen. Ursprünglich entstanden in den USA auf der Sweet Farm, schwappte der Trend des „Lama Mietens“ bald auch nach Deutschland über. Ein Beispiel: Die Familien betriebene Zuchtstätte Kisselmühle für Lamas und Alpakas beheimatet derzeit etwa 100 Tiere. Die Einnahmen für Futtermittel brachen durch fehlende Besucherzahlen während der Corona-Krise ein. Die Lösung nach dem amerikanischen Vorbild:„Alpaca-Calling“. Gegen einen fixen Spendenbetrag von 40 oder 50 Euro, können beispielsweise Rudolph das Rentier oder Alpaka Joan das Business Meeting auflockern. Die Idee kam so gut an, dass selbst das Sat1 Frühstücksfernsehen ein Lama per Video zu Gast hatte. Unterstützt wurde damit der Gnadenhof Gertrudenhof.

Nut Mittel zum Zweck oder nachhaltiger Gedanke?

Aktivisten wie Polycore-Geschäftsführer Joko Weykopf stellt sich im Interview mit W&V die Frage, ob Corona die großen Unternehmen tatsächlich zum nachhaltigen Umdenken bewegt hat. Möglicherweise handle es sich bei dem Produktionswandel auch um Prestige. Ferrari wird sich nach dem Start der Rennsaison wohl wieder auf Motoren konzentrieren und Jägermeister den Ether wieder für den eigenen Schnaps verbrennen. Digitale Innovationen hingegen haben bestand. Um die Geschäftsbilanz nicht ins Negative abstürzen zu sehen, orientierten sich tatsächlich die meisten Unternehmen um. Die Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib der KfW-Bankengruppe erklärt:

“Viele Unternehmen sind plötzlich zur Digitalisierung gezwungen: Sie probieren Homeoffice und virtuelle Zusammenarbeit aus, etablieren in Zeiten geschlossener Läden und Gaststätten einen digitalen Vertrieb oder ersetzen papierbehaftete Arbeitsprozesse durch digitale.”

Zum Umdenken gezwungen

Versichert war gegen die Pandemie laut Umfrage des Versicherer- und Finanzdienstleistervereins Kubi nicht einmal jede fünfte Firma.

Besonders bei kleinen- und mittelständischen Unternehmen, die mit Ausbruch der Pandemie kreativ werden mussten geht es jedoch im Schadensfall um Existenzen. Familienbetriebe stehen vor dem Aus, alteingesessene Betriebe ringen mit der Insolvenz. Staatliche Hilfspakete sind zwar geschnürt, enthalten laut DIHK aber Lücken. Einer DIHK-Umfrage zufolge sieht sich fast jeder fünfte Betrieb von der Insolvenz bedroht. DIHK-Präsident Eric Schweitzer sieht besonders das Reise- und Gastgewerbe sei in Gefahr:

“40 Prozent der überwiegend mittelständisch geprägten Betriebe droht akut eine Insolvenz.”

Die Kubi-Umfrage zeigt außerdem, dass nur knapp ein Viertel der Befragten eine risikofreudige Einstellung vertritt. Um künftig in einer existenzbedrohenden Krise tatsächlich gut abgesichert zu sein, sollten Unternehmer über eine ausreichende Versicherung nachdenken. Für Interessierte käme hier auch die Gewerbeversicherung der Bayerischen in Frage. Mit entsprechender Vorsorge sichern sich Betriebe so gegen unvorhergesehene Schadensfälle ab. Gerade in Zeiten der Digitalisierung empfiehlt es sich zudem, auf integrierten Cyberschutz zu achten.

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