Die steigenden Temperaturen locken auch dieses Jahr wieder zahlreiche Wassersportler an die Küste von Nord- und Ostsee. Ganz oben auf der Beliebtheitsskala stehen derzeit Kitesurfen und Stand-Up-Paddling. Gleichzeitig ziehen viele Tiere in den Nationalparks und Naturschutzgebieten an der Küste ihre Jungen auf. Große Schwärme von Watt- und Wasservögeln suchen zudem ruhige Plätze zur Rast. Wir fassen zusammen, mit welchen Maßnahmen rücksichtsvoller Wasserspaß für Mensch und Tier möglich ist.

Urlaubsboom für Nord- und Ostsee

Das statistische Landesamt Mecklenburg-Vorpommern (TMV) zählte im Jahr 2019 über eine Million Ankünfte sowie etwa 6,2 Millionen Übernachtungen. Das Corona-Jahr 2020 verlieh dem Heimaturlaub einen zusätzlichen Schub. Bereits im Mai waren laut Statista 70 Prozent der Unterkünfte an den Nord- und Ostsee Küstenregionen für Juli 2020 ausgebucht. Mit durchschnittlich 127 Euro Preis pro Nacht freut das den Tourismus. Umweltschützer hingegen sorgen sich über zu viele Touristen in küstennahen Naturschutzgebieten.

Nicht alle profitieren vom Wassersport

Stand-Up Paddeling, Bootfahren und Surfen sind allesamt beliebte Wassersportarten. Laut einer Untersuchung des Landesverbands für Vogelschutz (LBV) ergab sich nun allerdings, dass besonders Stand-Up Paddler nistende Zugvögel verschrecken. Stärker, als Segelboot, Windsurfer, Kanufahrer oder Ruderer. Den Grund hierfür erklärt sich ein Sprecher des Verbands wie folgt:

“Es gibt die Vermutung, aus Studien aus der Schweiz, auch vom Bodensee, dass es eventuell damit zu tun haben kann, dass ein Stand-Up-Paddler für den Vogel eine menschliche Silhouette ist, noch dazu mit etwas Langem in der Hand, was für den Vogel eine Assoziation mit einem Gewehr herstellen könnte.”

Die Tiere würden daraufhin ihre Brutstätten verlassen. Das große Problem dabei: Gerade im Spätsommer und Herbst sammeln Zugvögel Energie, die sie dann auf ihren langen Reisen dringend benötigen. Um die Vögel zu schützen, richten Verbände wie der LBV daher spezielle Winterruhezonen ein. Für die Deutschen Küstengebiete setzt sich derzeit besonders der WWF ein. Innerhalb von Projekten wie „Der Greifswalder Bodden in deiner Hand“ machen sie mittels Karten auf Naturschutzgebiete aufmerksam.

Simple Maßnahmen bereits effektiv

Um Rücksicht auf Naturschutzgebiete und dessen tierische Bewohner zu nehmen, reicht es bereits aus, einfache Regeln zu befolgen. WWF oder BR empfehlen beispielsweise:

  • Im Vogelzeitraum – Anfang Oktober bis Ende März – auf das Stand-Up Paddeling verzichten.
  • Mindestens 300 Meter Abstand zu Vogelgruppen halten, um das Aufscheuchen zu vermeiden.
  • Keine trockengefallenen Flächen (Windwatten) betreten.
  • Nur angelegte Bade- und Einstiegsstellen wie Häfen oder Badestrände nutzen.
  • Sämtliche Naturschutzgebiete, wie Winterruhezonen, Flachwasserbereichen, Schilfgürtel achten.
  • Hunde an der Leine halten.
  • Entzünden Sie kein Feuer und hinterlassen Sie keinen Abfall in der Landschaft.
  • Bei Überschwemmungen der Wiesen nicht Surfen und angeln.
  • Vermeiden Sie die Zerstörung von Wasserpflanzenbeständen durch Betreten oder Befahren.
  • Vor dem Wassersport über Schutzgebiete und Befahrungsregeln informieren.

Besonders das Auseinandersetzen vorab – mit unbekannten Gewässern am Urlaubsort – ist wichtig. Denn das gewährleistet nicht nur Schutz für die Umwelt, sondern auch sich selbst. Strömungen werden auch immer wieder den Wassersportlern selbst zum Verhängnis. Bei Befolgen der Regeln steht einem wassersportlichen Urlaub mit gutem Gewissen nichts mehr im Wege.

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