“Wir konnten sehr gut erkennen, dass sich die Natur einen Teil der Welt zurückerobert”, erklärte Uwe Mahrt, Geschäftsführer der Pangaea Life, im vergangenen Sommer. Der Grund für diese Worte: Umfassende Ausgangsbeschränkungen im Zuge der Coronavirus-Pandemie. Durch den Lockdown erholten sich weltweit verschiedene Naturregionen – eine der wenigen guten Nachrichten, die die Coronavirus-Pandemie mitbrachte. Um festzustellen, welche Früchte die Nachhaltigkeitsbemühungen weltweit genau tragen, veröffentlicht der World Wide Fund for Nature (WWF) regelmäßig einen Jahresbericht. Wir werfen einen Blick auf die tierischen Gewinner und Verlierer des vergangenen Jahres.

Zwischen Corona und Großbrand

Für das vergangene Jahr identifiziert der Jahresbericht des WWF zwei Hauptprobleme: Eines davon sind die Waldbrände, die in verschiedenen Teilen der Erde auftraten und bisher unerreichte Ausmaße annahmen. Dem WWF zufolge sind diese eines der Symptome des Klimawandels. Nicht umsonst stellte das sibirische Dorf Werchojansk mit 38 Grad Celsius einen neuen Hitzerekord nördlich des Polarkreises auf. Allein in Südamerika brachen im Juni und Juli 2020 etwa 149.000 Brände aus.

Das zweite Problem ist die Coronavirus-Pandemie, die weiterhin anhält. Trotz der zunehmenden Impfbemühungen verschiedener Staaten halten Lockdowns rund um den Globus weiter an. Die Natur profitiert generell von einem Lockdown des Verkehrs (wir berichteten). Zwar erholt sich die Natur und auch der CO2-Ausstoß sinkt drastisch, wenn Menschen gezwungenermaßen zu Hause bleiben müssen, doch an anderer Stelle wachsen die Bedrohungen für Tier und Umwelt. Zum Beispiel in Indien, wo die Wilderei im Lockdown um 150 Prozent anwuchs. In Südafrika nahm die Wilderei dagegen ab – der Lockdown rettete, so berichtet der WWF, vielen Nashörnern das Leben. Die Zahl der durch Wilderei erlegten Nashörner nahm im Vergleich zu 2019 um 200 Exemplare ab.

Die Rückkehr der Ausgestorbenen

Im Jahresbericht zeigt der WWF eine Auswahl der Tierarten auf, die es im vergangenen Jahr besonders gut oder besonders schlecht traf. Einige von ihnen stehen repräsentativ für ganze Gruppen von Tieren, die ähnlichen Einflüssen ausgesetzt sind.

Die Verlierer 2020

Hier stuft der WWF den Schmetterling klar als Verlierer ein. Wie alle Insekten hat es der Schmetterling vor allem mit einer schieren Masse an verschiedenen Arten geschafft, sich in der Nahrungskette der Natur einzugliedern. Es gibt weltweit mehr als 20.000 entdeckte und beschriebene Arten, von denen jedoch weniger als tausend aktiv beobachtet werden. Von diesen untersuchten Spezies gelten 173 (knapp 18 Prozent) als bedroht. Für sie ist die Intensivierung der nordwest-europäischen Landwirtschaft mit eines der größten Risiken.

Der Amazonas-Flussdelfin wiederum leidet vor allem am Quecksilber, das Goldwäscher und -schürfer in den Fluss leiten. Untersuchungen stellten stark erhöhte Quecksilberwerte bei den Delfinen fest und der WWF Brasilien fand heraus, dass sich dies nicht auf die Delfine beschränkt. Das Quecksilber setzt sich auch in anderen Fischarten ab – und, sollten diese ihren Weg auf die heimischen Teller finden, gelangt das giftige Schwermetall in den Körper des Menschen.

Weiterhin listet der WWF die Tiere Australiens als Verlierer 2020 auf. Schuld daran waren gewaltige Brände, die insgesamt drei Milliarden Wirbeltiere zumindest passiv betrafen. Verschiedene Arten trieben die Brände an den Rand der Ausrottung. Ein Beispiel dafür ist die Känguru-Schmalfuß-Beutelmaus, von der es vor den Bränden weniger als 500 Exemplare gab. Der WWF schätzt, dass es nun noch knapp 50 sein könnten.

Die Gewinner 2020

Der Europäische Wisent galt im Kaukasus als ausgestorben, nachdem dort vor mehr als 100 Jahren das letzte lebende Exemplar erlegt wurde. Ein Zuchtprogramm sollte die Population wiederherstellen. 12 im Jahr 2019 dort wiederangesiedelte Tiere vermehren sich nun wie vorgesehen. Der Gesamtbestand in den Wiederansiedlungsgebieten im russischen Großen Kaukasus beträgt nun 152 Tiere.

Aufgrund der Coronavirus-Pandemie zeigten sich im Frühjahr rund 25 Prozent mehr Flamingos im indischen Mumbai. Laut Bericht fielen Störfaktoren wie Bauarbeiten im vergangenen Jahr im Zuge des Lockdowns aus, was mehr Flamingos dazu verleitete, sich am Ufer der Küstenstadt zu sammeln.

2020 war weiterhin ein gutes Jahr für verschiedene Meeresbewohner. Durch Naturschutzarbeit ist es gelungen, die Kegelrobbenbestände in Nord- und Ostsee wieder aufzustocken. In der Ostsee gibt es darum nun wieder 38.000 Kegelrobben. Auf Helgoland stellten die Nordsee-Kegelrobben mit 500 Geburten bis November einen neuen Rekord auf. Und auch die Seegurke kann aufatmen. Drei neue und besonders bedrohte Arten sind auf der Liste des Washingtoner Artenschutzabkommens gelandet. Seegurken sind mit für eine Erhöhung des pH-Werts am Meeresgrund verantwortlich und bekämpfen so die durch den Klimawandel bedingte Versauerung der Ozeane.

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